Jüngst konsumiertes Kintopp. Keine Haftung für eventuelle Spoiler.
Mirrors
Ben Carson (Kiefer Sutherland) hat vor Jahren seinen Job als Cop verloren, darüber das trinken angefangen und so auch seine Ehe zerstört. Um wieder auf die Beine zu kommen, bleibt dem Gestrauchelten wenig anderes übrig, als eine Nachtwächterstelle anzunehmen. Diese führt ihn in das ehemals noble, nun aber nach einem Brand seit langem leer stehenden Kaufhaus »Mayflower«. Schnell muß Carson erfahren, das der Job nicht so eintönig und öde ist, wie es zunächst den Anschein machte. Die im alten Kaufhaus zu Hauf vorhandenen Spiegel zeigen schemenhaft Schrecken aus der Vergangenheit und stellen Carson vor eine Aufgabe, an der seine Vorgänger bislang gescheitert sind, wie der Ex-Cop schnell herausfindet.
In einem von Higlights ganz sicher nicht verwöhnten Filmjahr ist »Mirrors« bislang für mich eine der positivsten Erscheinungen. Alexandre Ajas auf einer koreanischen Vorlage (die ich nicht gesehen habe) basierender Film vermengt das Horror-Genre mit diversen Thrillerelementen und einer Spur Film noir. Der Streifen behält von der Eröffnungssequenz bis zum letzten Spin ein gehobenes Tempo bei, nimmt sich dabei aber trotzdem genügend Zeit für Charakterzeichnung und Exposition. Habe ich an anderer Stelle schon mal geschrieben, das diverse Schauspieler zuletzt in ihren stereotypen Rollen gefangen geblieben sind, muß man Kiefer Southerland an dieser Stelle ein großes Lob aussprechen – trotz absoluter Überreizung drängt sich sein »24«-Alter Ego »Jack Bower« eigentlich kaum in den Filmeindruck.
Positiv auch die Entwicklung der Story, die sich in der zweiten Hälfte des Films eine Dimension eröffnet, von welcher der Trailer noch beinahe nichts andeutet – eine Tatsache, die man in letzter Zeit beinahe nicht mehr hoch genug bewerten kann.
Insgesamt eine Empfehlung, für einen absoluten Spitzenplatz mangelt es letztlich an etwas Rafinesse. Und diese eine Szene mit dem Feuereffekt … das geht heutzutage wirklich überzeugender. (8/10)
Splinter
Ein Liebespaar, das seinen Jahrestag in der Wildnis verbringen möchte. Ein durchgeknalltes Gangsterpärchen auf der Flucht. Eine abgelegene, einsame Tankstelle. Eine bösartige, rätselhafte Kreatur. Das sind die klaren Vorgaben dieses beinahe klassischen Survival-Horror Streifens, die gerade deshalb die Möglichkeit zum Überflieger oder aber auch zum totalen Reinfall bieten.
Auf der Haben-Seite verbucht Splinter gute schauspielerische Leistungen und eine ansprechende Charakterzeichung, die den Protagonisten zum Teil auch eine gewisse Entwicklung zugesteht. Hinzu kommt eine schnörkellose und kurzweilige Erzählung. Das kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, das Splinter sich fast sklavisch innerhalb seiner vorgegebenen Dimensionen entwickelt und diese an keiner Stelle überschreitet.
Auch das hätte noch für einen im Endeffekt gutes Fazit genügt, wenn der Film sich nicht an entscheidender Stelle einige Patzer leisten würde: Die sprichwörtliche Bedrohung leidet sichtbar unter dem schmalen Budget. Beim Versuch, dieses schnittechnisch zu kaschieren verschlimmbessert man diesen Punkt leider noch und verschenkt damit das Potential, das der Streifen sich zunächst eröffnet hat. So bleibt Splinter im Ergebnis Dutzendware. Kann man sehen, eigentlich dürfte aber jeder genügen Filme auf der Watchlist haben, die diesem vorzuziehen wären. (4/10)
Crank 2 – High voltage
Chev Chelios (Jason Statham) hat ein Problem. Und wie es sich für ein Sequel gehört, ist dieses Problem erheblich größer als das aus dem ersten Film, in welchem Chev noch ständig auf der Suche nach dem nächsten Adrenalinschub sein mußte, um am Leben zu bleiben. Dieses Mal nun hat Chelios sein Herz verloren, und zwar im Sinne des Wortes. Von der Organmafia ausgeschlachtet, befindet er sich mit einem engergiefressenden Kunstherz in der Brust auf der Suche nach den Dieben, immer mit einem Auge auf der Batterieanzeige, die selbstwohl recht zügig in die Brüche geht. Da Chelios Hatz naturgemäß in jeglicher Hinsicht wenig ressourcenschonend ist – sei es nun Blei, Blut, Gegnermaterial oder Strom für die künstliche Pumpe – gilt es, sich regelmäßg einen spannungsgeladenen Amperekick zu liefern, um am leben zu bleiben.
Crank 2 ist weniger Film, denn ein explodierendes Daumenkino in Videoclipoptik, quasi das Destillat eines überdrehten Actioners, eine 140-Zeichen Twittermessage in Filmoptik. Alles ist to-the-max überdreht, in Punkto Gewalt, Sexismus und Explizität wird jedes Klischee auf die Spitze getrieben und dabei gleichwohl als so absurd präsentiert, das sich diese Elemente einer ernsthaften wertlichen Diskussion entziehen. Dieser Film ist wie eine CD mit dem Zusammenschnitt aus 200 schnellen Gitarrensoli, denen aber Strophe und Chorus fehlen. Vieles zündet (z.B. das herrliche filmische Zitat des Spencer’schen Rundumschlages), manches nervt ob seiner Schrillheit aber auch unglaublich. Dem gesamten Stil des Filmes ist dann auch anzulasten, das sich einzelne Elemente schnell abnutzen und spätestens im Showdown zu langweilen beginnen – was gleichwohl mit einer Absurdität sondersgleichen gekontert wird. So dürfte der Film auch nicht länger als diese knapp 90 Minuten dauern, die unter Ausschluß jeglicher political correctness zu unterhalten wissen. Auch wenn man das niemals zugeben würde. Der Film, den Uwe Boll immer machen wollte. (7/10)
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