Perfekt
Es gibt sie, diese Tage an denen alles klappt. Tage, an denen der Bürostuhl unter mir verbrennt, gar förmlich verpufft, weil – entschuldigen Sie den Ausdruck – mir die Sonne aus dem Arsche scheint. So ein Tag wie heute, an dem ich blind auf einem Lottoschein herumkritzeln könnte und prompt sechs richtige mit Zusatzzahl hätte.
Ich könnte heute ein Heilmittel gegen Schnupfen oder Fußpilz erfinden, den Bundeshaushalt entschulden, eine Bananenrepublik von ihrem Dikator befreien, die demographische Lücke locker aus der Hüfte im Alleingang schließen und das Ozonloch flicken. Ja, ich brächte es sogar fertig, den Schweizern das Elfmeterschießen beizubringen und wäre doch rechtzeitig zum Nachmittagskaffee wieder zurück. Kein Problem, es würde funktionieren.
An perfekten Tagen wie diesem rennen auf der Straße junge, wunderhübsche Frauen aufgeregt hinter mir her. Ich bekomme das zunächst gar nicht richtig mit, man ist so etwas ja nicht mehr gewohnt (… jedenfalls nicht mehr, seit dem ich das mit dem Handtaschen klauen drangegeben habe).
Als ich mich umdrehe, lächeln sie mich an, die eine blond, die andere braun, eine Sinfonie weiß blitzender Zähne. Sie winken mir zu, schlanke gebräunte Arme an denen leichter Silberschmuck im Takt der Bewegung leise klimpert, und in den Händen halten sie
(Tusch! nein, Engelsfanfaren!!!) Geldscheine! Und mit mit einem verheißungsvollen Lächeln reicht mir die eine die 50 Euro in kleinen Scheinen und sagt:
»Hier, Sie haben eben am Automaten Ihr Geld vergessen.«





6 Kommentare, Comment or Ping
Markus am 27. Juni 2006:
SEHR gut ! Ich hoffe, Du hast die Gunst genutzt und hast die Damen von den 50,00 Euro direkt zum Kaffee eingeladen. Jedenfalls habe ich mich köstlichst amüsiert.
27. Jun. 2006
lunally am 27. Juni 2006:
Bitte, das Schnupfenmittel möchte ich dann zuerst, ja…?!
27. Jun. 2006
Budenzauberin am 27. Juni 2006:
Och, wenn sich niemand für den Lottoschein, den korrekt ausgefüllten, interessiert – ich hätte da Interesse.
Ich gönne Dir das mit dem Geld und der guten Laune sowieso, und wer wenn nicht ich kann nachvollziehen, wie es Dir ergangen wäre, hättest Du das Geld nicht wiederbekommen – ich habe Anfang letzten November 150,- Euro stecken lassen und nicht wiederbekommen…
27. Jun. 2006
ker0zene am 27. Juni 2006:
@ Markus: Typisch für mich -ich habe ich nicht schnell genug geschaltet. War doch zu perplex, das ich das Geld vergessen konnte. Und dann waren sie schon weg. Aber für die Zukunft wäre das natürlich keine schlechte Taktik. Man kann ja auch kleinere Beträge abheben
@ Lunally: Ich werte als als Bewerbung um die Position des Testkaninchens, ok? Aber nicht das mir hinterher Klagen kommen, wegen der Nebenwirkungen
@ Budenzauberin: Die Sache mit dem Geld hat mich leider etwas aus dem Konzept gebracht, drüber habe ich das Lottospielen vergessen. Damn! Ich denk aber an Sie, wenn ich beim nächsten “perfekten Tag” über den Kessel Gold am Ende des Regenbogens stolpere. Versprochen!
Schade, das Sie nicht so viel Glück hatten wie ich! (das Geld im Automaten vergessen wird kommt übrigens häufiger vor als man denkt) . Normalerweise werden die Scheine doch nach 30-45 Sekunden wieder eingezogen, wenn man nichts entnimmt. War denn über die Kameraaufzeichnung der Bank nichts mehr zu machen?
27. Jun. 2006
Budenzauberin am 28. Juni 2006:
Danke für’s an mich denken, wenn…
30-45 Sekunden können in der Stadt/ Außenautomat “Alte Torgasse schon zu lang sein…näheres dazu hier:
http://budenzauberin.twoday.net/stories/1452206/
28. Jun. 2006
problemlöser am 29. Juni 2006:
ich kenne das. ist mir auch schon passiert. also das mit dem geld. auf die damen die mir lächelnd geld in die hand drücke warte ich noch. durch sie habe ich wieder hoffnung geschöpft
29. Jun. 2006
Dein Kommentar: