Deutsche Gründlichkeit
Auf dem Weg nach Hause ortseingangs plötzlich blaues Blitzlicht im Rückspiegel. Ich fahre rechts ran, Rettungswagen und Notarzt preschen unter Sirenengeheul vorbei. Zwei Minuten später biege ich in meine Straße ein, die Sanitäter stehen vor dem ersten Haus links. Im Vorgarten direkt an der Straße steht ein Kirschbaum, darunter liegt, in sich zusammengefallen, eine Aluleiter. Offenbar ist der Mann, über dem gerade der Notarzt kniet, beim Kirschenpflücken von der Leiter gestürzt. Auf dem Bürgersteig liegen abgerissene Äste, Blätter, ein umgekippter Eimer ergießt reife Kirschen in den Rinnstein.
Während ich die Szene langsam passiere ziehen die Rettungssänitäter eine Trage aus dem Heck ihres Fahrzeugs.
Und eine ältere Frau beginnt, den Bordstein zu fegen.





3 Kommentare, Comment or Ping
Der Erik am 11. Juli 2006:
Vielleicht war der Bordstein ja sehr traurig, weil der kirschenpflückende Mann und er sich sehr nahe standen.. und die Frau, ja, die hat ihn dann mit dem Besen Trost gespendet. Ihn in der Stunde der Not zärtlich und mitfühlend über das Kopfsteinpflaster gestreichelt.
Auch Bordsteine brauchen unsere Fürsorge. Der Bundesfürsorgeminister meint: Tagtäglich von Hunden zugeschissen und von Leuten mit Abfall beworfen zu werden kann mitunter Auswirkungen auf das Selbstvertrauen haben.
Aber – um kurz den Text zu beleuchten – die Deutsche Gründlichkeit spiegelt sich auch hier wieder. Der sich in den Rinnstein ergießende Kirscheimer ist wirklich mitreissend umschrieben. Ich würde eigentlich sagen “fast schon prosaisch”, aber daran würde mich das “fast schon” stören, darum lasse ich’s einfach und Du weisst trotzdem, was ich sagen wollte. Eine tolle Art, sich um Aussagen zu drücken.
11. Jul. 2006
Markus am 12. Juli 2006:
Das einzige was da noch interessant ist: was ist mit der verwaisten Kirschen ? Die würd’ ich wohl nehmen
12. Jul. 2006
ker0zene am 12. Juli 2006:
Komische Situation, das sah nicht unspektakulär aus, der Verunglückte lag nicht einmal im Wagen und schon wird geputzt (… oder ging es darum die Kirschen zu sichern? man weiß es nicht). Es war nun auch nicht so, das man sich da auf den Füßen gestanden hätte, außer Rettungspersonal, Arzt, Opfer und der Frau habe ich im vorbeirollen niemanden gesehen. Grotesk, grotesk, ich frage mich, wie es bei solchen Leuten hinter der Tür aussieht – klinisch rein wie in der Prozessorschmiede oder Messi-galore weils dort niemand sieht? Ein enges Verhältnis Bürgersteig/Kirschenpflücker stelle ich mal in Abrede, dafür hat der Bürgersteig sich zu hart gegeben. Wolln wir mal nicht in Richtung SM spekulieren.
12. Jul. 2006
Dein Kommentar: