Jugendsünden

Oha, Frau Budenzauberin hat geworfen, jetzt heißt es Hosen runter. Eine Auswahl meiner besten Jugendsünden in chronologischer Reihenfolge, ohne Anspruch auf Vollständigkeit (… ich werde doch nicht die besten Stories in einem einzigen Eintrag verbraten, nene):

• Mit 4 nach einer Woche aus dem Kindergarten abgehauen und nach Hause gelaufen. War doof da. Noch ein Jahr zu Hause geblieben und danach der größte, älteste und stärkste im anderen Kindergarten gewesen. Herrliche Zeiten!

• Mit 5 nach familiären Feierlichkeiten erste Alkoholexperimente im Selbstversuch gestartet.

• Mit 7 der jüngeren Schwester nach Streit Blumenerde in die »Heiße Tasse« geschmuggelt. Aufgeflogen. Blumenerde wurde rausgefiltert, mußte den Rest selber trinken. Ochsenschwanzsuppe! Würg!

• Mit 8 kurzentschlossen die erste Vinyl-Single erworben: »Michael Schanze und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft – Ole Espana!«. Unverzeihlich.

• Mit 9 in Leergut-Garage des örtlichen Getränkehandels geschlichen, um »Knibbelbilder« aus Cola-Verschlüssen herauszufummeln. Erwischt und des versuchten Pfanddiebstahls bezichtigt worden. Ich wollte doch nur Knibbelbilder!

• Mit 9½ den blöden Antonio aus der zweiten Klasse in den Schwitzkasten genommen und das Pissoir nähergebracht. Damit versucht, ihm klarzumachen, das es keine gute Idee sei, meine Schwester zu ärgern. Der Direktor hatte gewisse Einwände gegen diese Art von Disziplinierung.

• Mit 10 Sparschwein geknackt und groß eingekauft: Für 50 Mark Süßigkeiten, YPS-Hefte und eine Bravo. Beim Lesen der Dr. Sommer Seite erwischt worden. Heft konfisziert, Bauchschmerzen von zuviel Süßigkeiten.

• Mit 11 auf die Idee gekommen, in Abwesenheit der Eltern doch mal das Rezept für Karamellbonbons auszuprobieren, das auf der »Brigitte-Kinderseite« stand (… upps, »Brigitte« gelesen, noch ‘ne Sünde). Resultat: Fast-Küchenbrand und zentimeterdick mit Butter-Zuckermasse verkrustete Töpfe.

• Mit 12 auf der Rückfahrt von einem Schul-Wandertag von drei Mädels in der Reihe hinter mir geärgert worden. Reagiert, indem ich der rothaarigen Susanne meinen gut durchgekauten, mundfüllenden Hubba-Bubba Kaugummi mitten auf den Kopf drückte. Konnte nur durch eine langwierige, verlustreiche Operation entfernt werden. Susanne trug danach einige Wochen lang Tonsur.

• Mit 12½ vorm Fußballtraining Pornoheft im Abfalleimer am Sportplatz gefunden. Seiten herausgerissen und mit bestem Kumpel im strömenden Regen an Pfosten und Latte geklebt. Platzwart war nicht amüsiert. Eltern auch nicht.

• Mit 13 mit der Super8 Kamera vom Kumpel kleine Filme erstellt. Auf die Idee gekommen, »Verstehen Sie Spaß?« nachzudrehen.
Konzept 1: Auf der Dorfstraße vorbeifahrende Autos mit Marzipankartoffeln bewerfen. Vom Streifenpolizisten eines besseren überzeugt worden.
Konzept 2: Vorm Edeka-Markt mit Schneeschieber den Kunden beim Verlassen des Ladens eine Schippe Schnee auf die Füße kippen. Schneeschieber vom Ladenbesitzer konfisziert, Hausverbot erhalten.
Kacke, keine Marzipankartoffeln mehr.

• Mit 13½ auf der Konfirmandenfreizeit den dicken Mann markiert. Pferdehaare vom Weidezaun durch getrocknete Brennnesselstengel gezogen und geraucht. Rest des Wochenendes auf der Keramik verbracht.

• Mit 14 den besten Freund vor dem Konfirmationsgottesdienst überzeugt, doch das »viel zu warme« Sacco auszuziehen. Er saß dann mit seinem wunderschönen braunen Pullover, auf dem groß Â»MIAMI« stand, direkt neben dem Altar, frontal zum Publikum der Gottesdienstbesucher. Seine Mutter hat sich vor Peinlichkeit in den Kirchenboden geschraubt.

• Mit 15 in einem Vernichtungsfeldzug hunnischer Ausmaße auf Klassenfahrt sämtliche Biervorräte der Goslarer Innenstadt auf Marktplatz vernichtet. Alkoholproblem attestiert bekommen.

• Mit 16 auf Sylvester in »schlechte Kreise« (= ältere Fußballkumpels) abgerutscht. Auf Party vollends abgefüllt worden. Neujahrsmorgen mit kapitalem Filmriss im Schaufenster erwacht. Zum Glück nur kleinere Schnittverletzungen, trotzdem schwierig zu erklären. Danach dem Alkoholmißbrauch abgeschworen und bis heute durchgehalten.

• Mit 16½ in der Video AG in einer von Monty Pyton inspirierten Projektarbeit mit Vaters heimlich geklauter Schützenjacken und einem Schuhcremefleck als Adolfsbärtchen im Gesicht einen stramm konservativen westfälischen Schützen gemimt. Wir fandens klasse, die bei der Vorführung anwesende Elternschaft eher nicht.

• Mit 17 im Urlaub mehrfach Kontakt mit yugoslavischer Polizei (»Militia«). 9 Mann im Fiesta waren offenbar zu viel. Später bei (versuchter, nicht vollzogener!) »Unzucht am Strand« aufgegriffen worden. Drohende Nacht im Knast mit reichlich diplomatischem Geschick auf einige Stunden heruntergehandelt.

• Mit 18 im Marinehafen von Toulon Flugzeugträger angeschaut. Dabei irgend einen militärischen Sicherheitsbereich übersehen und von französischer Militärpolizei verhaftet worden. Zum wiederholten Mal verflucht, in der siebten Klasse Latein gewählt zu haben.
Sowieso weltbester Urlaub seinerzeit, auf der Hinfahrt Auto bei Lyon geschrottet, zurück dann im Zug. Am 31. Juli, letzter Tag der französischen Wehrpflichtigen. Ganzer Zug voll Soldaten, Prostituierter, Dosenbierpaletten vom Boden bis zur Decke und Haschdünste in der Konsistenz eines ausgewachsenen Londoner Themsenebels. Wilde Orgien von Soldaten und »Damen« in den Abteilen. Zum mitmachen aufgefordert worden, dankend abgelehnt. Dem Haschrauch konnte man leider nicht ausweichen. Im Bahnhof in Straßbourg völlig bedröhnt aus dem Waggon gefallen.

Ich kann mich ja immer schlecht durchringen, Stöckchen weiterzuschmeißen. Wobei mich ja schon interessieren würde, was z.B. Frau Pepa, Frau lunally und die Herren Problemlöser und Taxi-Blogger so alles auf dem Kerbholz haben. Ansonsten: Bedient euch!

19 Kommentare, Comment or Ping

  1. Die Geschichte mit Michael Schanze ist nicht unverzeihlich. Beweist sie doch vielmehr, dass Sie sich offenbar schon in jungen Jahren (können Jahre jung sein?) mit den wichtigen Sachen auf dieser Welt befasst haben. Nur der Ansatz war definitiv der falsche.

  2. Spanien 82 war definitiv mein Einstieg in den Fußballsport. “Unverzeilich” vielleicht deshalb, weil Fußballer nun wirklich nicht singen sollten. Nach der peinlichen 94er Nummer mit den Village People haben sie es dann ja irgendwann auch begriffen.

  3. Mensch, das sind aber viele! Hast Du Tagebuch geführt?

  4. [Crossblogging]
    Das mit 16einhalb würde ich nicht als Jugendsünde bezeichnen.
    Wer Schützen nachahmt oder verfälscht, verdient einen Orden.

  5. mit 4 im Cafe beim sonntäglichen Familienkaffeekränzchen den ersten Suff erlebt und wild lachend und singend durchs Cafe getanzt…Punschring, der auch von der Mama für einen harmlosen Doughnut gehalten wurde..

  6. @ Yooee: Das schlimme ist, mir fallen ständig weitere Sünden ein. EinTagebuch gibt es (leider) nicht, aber solche Sachen vergesse ich nie. Aber wehe, ich muß mal was wichtiges lernen …

    @ Budenzauberin: Dann stehe ich zur Verleihung gerne bereit! ;)

    @ cosmomente: Ok, das war jetzt die Sache mit vier. Und danach? Fühlen Sie sich beworfen. ;)

  7. *lach* – also Sie waren ja recht “kreativ” in dieser Hinsicht oder sollte ich sagen ideen-reich! Da kam bei Ihren Eltern wenigstens nie Langeweile auf. Wer will schon ein total braves Kind?! :)

  8. schlaus

    na sowas, habe ich da etwa auch einen Teil meiner Jugendsünden gefunden?

  9. Das will ich wohl meinen, Herr Schlaus! Und warte erst, bis hier die Geschichte vom YPS-Solargrill erscheint, das ist eines der Themen, die beizeiten einen eigenen Eintrag wert sind! (… und da haben wir noch nicht über Quelle-Funkgeräte, VC 20 Programmierung und so einige andere Dinge geredet …)

    @ Liisa. Ich war wirklich brav! (… doch, echt!) Die ganz dicken Böcke hab ich nie geschossen, nur fleissig herum experimentiert (btw. schön, wieder von Dir zu hören! Werd mal schnell rüberschauen und gucken, ob sich einige meiner zuletzt gelesenen Bücher im Litblog finden.)

  10. @ker0zene: Mehr gibts da nicht, lieber Herr Ker0zene *unschuldiger Blick* und mit Ihnen, da kann ich ganz und gar nicht mithalten..so was von überhaupt nicht…

  11. Irgendwie hatte ich nicht mitbekommen, daß Du wieder Dein Blog schreibst! :) Schaue also wieder regelmäßiger vorbei!

  12. Frau cosmomente, das glaube ich ja mal gar nicht ;) (… Sie verdrängen da bestimmt nur so einiges).

    @ Liisa: Ich hab genauso heimlich wieder angefangen wie ich aufgehört habe ;) Schön, das Du wieder hergefunden hast!

  13. Hab mich mal bedient.

  14. Ruubyy

    Als ich 2 oder 3 war, hab ich mal Steine auf ein Auto geworfen. Meine Mum hat mich erwischt und meine Ausrede war: “Ihr habt mir des nie verboten!”

  15. Mit 2 oder 3 schon Steine werfen? Ich hoffe, Sie haben eine sportliche Karriere in Betracht gezogen!

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