Top 5: Die nervigsten Kunden
Oder: Subjektive Eindrücke aus 10 Jahren an der Front bei Installation und Support von Systemsoftware
1. Frauen von Ärzten
Wohlgemerkt: Nicht Ärztinnen, auch nicht die Männer von Ärztinnen, aaaber die Ehefrauen von Ärzten. Ehefrauen von Ärzten haben nach eigenem Selbstverständnis einen gleichberechtigten Anspruch auf jeden Titel des Gatten. Wie im Österreich früherer Tage (»Küss die Hand, gnä’ Frau Kommerzialrat«). Und sie wollen entsprechend behandelt werden. Wehe, du rollst nicht mindestens verbal den roten Teppich aus und machst den Bückling, Unwürdiger! Mit der Position des Gatten steigt proportional auch der Status der Unfehlbarkeit. Es gibt nichts, das Frauen von Ärzten nicht verstehen. Wenn, dann liegt der Fehler im System!
2. Apotheker
Apotheker teilen sich grob in zwei Unterarten: Den in sich versunkenen Pharma-Nerd, den ausserhalb seiner Medizinschränke nichts interessiert und den Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der irgendwo hinter Golf, Reitsport, Sylt, gesellschaftlichem Getingel und gutem Leben halt noch eine Apotheke betreibt um für das erforderlicher Einkommen zu sorgen. Ersterer ist höflich, ruhig und ein wenig verschlossen, allerdings auch völlig restistent gegen die Preisungen moderner Technik, die sich ihm einfach nicht näher bringen läßt. Letzterer hat einfach kein Interesse, sich mit dir auseinanderzusetzen. Das Leben bietet doch so viel angenehmeres.
3. Lehrer
Mal ehrlich, ich möchte auch kein Lehrer sein. Der Job muß so frustrierend und aufreibend sein – ich kenne Lehrer, die fahren in den großen Ferien in irgend ein Krisengebiet und nehmen an UN-Einsätzen teil. Zur Erholung.
Der Frust sitzt so tief, das Lehrer in allem den Fehler suchen und nicht eher aufgeben, als bis sie einen gefunden haben. Und sei es ein Interpunktionsfehler auf der dritten Seite der Vertrags- bedingungen. Um dir den dann, mit dem roten Korrekturstift verziert, unter die Nase zu halten, dafür nimmt ein Lehrer weite Wege auf sich. Auch weil er meint, das jede klitzekleine Unstimmigkeit ihn fortan berechtigt, alle weiteren Leistungen umsonst zu bekommen.
Was ohne Anwalt und Sicherungsaufzeichnung gar nicht geht: Lehrer am Telefon.
4. Hausverwaltungen
Ich bin viel herumgekommen. Echt viel. Ich war sogar eine Zeit lang bei der Bundeswehr, die in Sachen Chaos eigentlich führend ist. Das ist aber nur ein warmer Pups gegen die Unordnung, die bei den meisten mir bekannten Hausverwaltungen herrscht. Verfechter des papierlosen Büros werfen einen Blick in deren Räume und heulen sich anschließend vor der Tür an der Schulter der dort stehenden und ebenfalls völlig aufgelösten »Rettet die Bäume – spart Papier«-Umweltaktivisten aus. Hausverwaltungen verbinden die Akribie eines preußischen Beamten (freilich ohne dessen Organisationsgeschick) mit der Sammelwut eines ausgewachsenen Messies. Leitz wäre eine kleine Kellerklitsche, wenn es keine Hausverwaltungen gäbe. Im Resultat findet man nie etwas wieder, auch weil die Anzahl der im Büro beschäftigten Mitarbeiter deckungsgleich mit der Anzahl der parallel eingesetzten Ablagesystem ist.
5. Firmenunabhängig: Bürovorsteher/innen über 65
(aber nicht bereit in Rente zu gehen)
Ich habe da einige Patienten, die sitzen wie die Spinne im Netz ihrer Firma und sind nicht bereit den Löffel die Fäden abzugeben. Potentielle Nachfolger/innen werden mißtrauisch beäugt, sabotiert und spätestens in der Einarbeitungszeit weggebissen. Mit solchen Leuten Geschäfte zu machen ist ungemein erbaulich. Früher war nämlich alles besser. Da ging das auch ohne EDV und zwar doppelt so schnell. Damals …





5 Kommentare, Comment or Ping
Waas am 7. September 2006:
Vielleicht würds helfen, sich als Mann einer Ärztin auszugeben (und sich die Haare grau zu färben)?
7. Sep. 2006
ker0zene am 8. September 2006:
Da habe ich leider Pech, die wissen ja woher ich komme. Die Solidarisierung mit der Zielgruppe funktioniert hier, ich laufe in den Augen der Damen ja als dienstbares Gesinde.
8. Sep. 2006
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