Dumm

Das letzte Wochenende wäre eines von denen gewesen, wo ich fast gesagt hätte »An der Tankstelle war nicht viel los!«. Ok, da war der Tippelbruder, der 8 Dosen Bier in 5 Cent-Stücken bezahlte und dann gedachte, diese umgehend auf dem Gelände vor unserer Waschhalle zu vernichten. Das ist nicht unbedingt publikumswirksam und auch rechtlich nicht ganz einfach, schließlich hat kaum eine Tankstelle eine Schankgenehmigung, weswegen man gerne Bier bei uns kaufen, aber keines dort trinken darf (… was zu späterer Stunde immer wieder gerne Gegenstand nerviger Diskussionen ist.) Mit ein paar freundlichen Worten ließ die Sache sich dann aber regeln.

Dann hatte ich noch einen Auftritt als Videostar. In der Form, das zwei junge Damen in den Verkaufsraum kamen, mir eine Videokamera ins Gesicht und eine Taschenlampe als Mikrofon-Dummy unter die Nase hielten und ich unbekannterweise Hochzeitsgrüße an Swetlana und Henry übermitteln durfte. Nachdem beim ersten Versuch die Kamera nicht lief und ich beim zweiten Mal Geburtstags- statt Hochzeitsgrüße aussprach klappte es dann in der dritten Runde. Was man nicht alles für ein Lächeln macht.

Ansonsten also fast nix aussergewöhnliches los. Fast.
Bis dann um 21:00 Uhr die beiden Briten kamen (Torsten, ich nehme es vorweg: Bei der Vergabe des »Greatest british dumb-asses«-Awards ist das letzte Wort noch nicht gesprochen!). Fußballtrikots, viele Tätowierungen, das normale Programm. Der eine recht durchschnittlich (will meinen: normal) aussehend, der andere hingegen ein Ausbund an Häßlichkeit. Hey, ok, körperliche Attraktivität ist ein seeehr variabler Begriff, aber wenn jemand Gesichts- und Körpermäßig 1A so aussieht wie die Modellvorlage für diesen unsäglichen Klingelton-Frosch, dann ist doch zu attestieren, das da in der großen Erbgut-Lotterie jemand eine ganz gewaltige Niete gezogen hat.
Die beiden kauften also eine Kiste Bier und einen Sechser Pils/Cola-Gemisch und trollten sich.

Wie immer um diese Zeit sonntags war einiges los und ich gut beschäftigt. Ich hätte also nicht länger drüber nachgedacht, wenn nicht etwa eine halbe Minute später ein lautes Krachen von draußen erklungen wäre, während ich weitere Kunden bediente. Ich trete ans Fenster und sehe, das der Frosch seinen Wagen (ein rollengerecht getunter Japaner mit mächtigem »Powerdome«) beim zurücksetzten mit Schwung gegen einen unserer Pfeiler gesetzt hat. Zum Glück gegen einen, an dem keine Zapfsäule steht. Die beiden Insassen standen kopfkratzend am Heck und begutachteten den Schaden, ich notierte mir zur Sicherheit fix die Autonummer und nahm an, das die Burschen wohl gleich reinkommen würden. Ich konnte in dem Moment nicht raus, weil Laden voll und ich alleine.

Nun ja, die Jungs kamen nicht rein. Ok, dachte ich mir, den Stahlbeton-Pfeiler und das umrandende Stahlrohr wird es nicht zerissen haben, die Autonummer habe ich, dann wird der Chef entscheiden was wird. Gegen kurz vor zehn stand dann aber plötzlich die Polizei vor mir. Ob ich einen Unfall bei uns auf dem Hof bemerkt hätte? Und dann erzählte er mir die ganze Geschichte:

Die beiden Kerle waren nach dem Rendezvous zwischen Wagenheck und Pfeiler offenbar direkt zur Hauptwache in Paderborn gefahren. Dort schilderten sie jedoch nicht den wahren Unfallhergang, sondern gaben an, ihnen sein auf einem Parkplatz jemand ins Heck gedonnert und hätte dann Fahrerflucht begangen. Die unfallaufnehmenden Beamten haben den Schaden dann begutachtet und sich sicher gefragt, welches Fahrzeug zur Hölle denn wohl ein Fahrzeugheck nebst massigem Spoiler auf der Breite von ca. 60 Zentimetern eindrückt und dabei oben weiße und unten blaue Kratzspuren zurückläßt. Eine motorisierte Badewanne??

Zufälligerweise tanken nun auch nicht wenige Beamte bei uns an der Station. Irgend jemandem kam daher auch der Pfeiler in den Sinn, weshalb wohl der Gedanke aufkam, dort mal nachzuschauen und zu vermessen. Die Unfallspuren passten dann auch haargenau zu unserem (völlig unversehrten) Stahlbetonpfeiler, den Heckspoiler hingegen hatte es völlig zerrissen und der Kofferaum des Wagens war ebenfalls arg demoliert. Der Fahrer knickte angesichts dieser Sachlage ein, und wird sich demnächst neben seinem materiellen Schaden wohl auch noch für einen vorgetäuschten Unfall und versuchten Versicherungsbetrug verantworten müssen.
Manche Leute haben haben aber auch wirklich Pech.
Und wenn dann noch Dummheit dazu kommt …

Noch keine Kommentare.
Jetzt kommentieren oder einen Trackback setzten.


Dein Kommentar:

Rudimentäre Auszeichnung in XHTML möglich.
Folgende Tags können genutzt werden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Theme Switcher

Galleries

Jüngste Blogposts mit Bildergalerien:

Letzte Tweets:

Posting tweet...

September 2007
M D M D F S S
« Aug   Okt »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Archiv