Stammzellen

Auf einmal ging es dann ganz schnell. Vor knapp fünf Wochen bekam ich Post von der DKMS. Darin enthalten die Bitte um Abgabe einer Blutprobe, um in einer Feintypisierung klären zu können, ob ich als Stammzellenspender in Frage komme. Das Ergebnis würde ca. acht Wochen später fest stehen. Vorvergangene Woche Donnerstag dann schon der nächste Brief, die Gewebemerkmale passten, man wolle nun noch eine Bestätigungstypisierung durchführen, um eine Abstoßungsreaktion auf Seiten des potentiellen, an Leukämie erkrankten Empfängers ausschließen zu können. Mit im Umschlag ein 39 Punkte umfassender Fragebogen mit interessanten Fragen wie:

a) Hatten Sie in den letzten 12 Monaten sexuellen Kontakt mit Personen, welche gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein deutlisch erhöhtes Risiko für eine HBV-(Hepatitis-B-Virus), HCV-(Hepatitis-C-Virus) oder HIV/AIDS-Infektion haben, z.B. homo- und bisexuelle Männer, Prostituierten, Häftlingen, i.v.-Drogen-konsumenten? Oder mit Personen aus Gebieten mit bekannt hohem Risiko für Infektionen (z.B. südliches Afrika, Südostasien)?
b) Gehören Sie selbst einer dieser Gruppen an?

(…)

Haben Sie sich in der Zeit vom 01.01.1980 bis 31.12.1996 insgesamt länger als 6 Monate in Großbritannien oder Irland aufgehalten?

Zum antworten kam ich gar nicht mehr, weil man mich schon einen Tag später telefonisch kontaktierte. Auf Seiten des möglichen Empfägers scheint die Lage sehr akut zu sein, weshalb man möglichst rasch zu einem Ergebnis kommen möchte. Nach hektischen Terminabsprachen mit der Klinik des spendenbedürftigen Patienten und dem Krankenhaus, das bei mir die Entnahme durchführen soll, werde ich nun morgen früh nach Hameln fahren, um in einer letzten Voruntersuchung die verbleibenden 5 % Unsicherheitsfaktor bezüglich der Stammzellenkompatibilität zu eliminieren. Sofern anschließend noch alles passt geht es dann Mitte Dezember für ein paar Tage in die Klinik zur Knochenmarksentnahme aus dem Beckenkamm.

19 Kommentare, Comment or Ping

  1. Good luck! Ich wünsche Euch beiden viel Erfolg und absolut keine Komplikationen!

  2. Dickes Lob an Dich!
    Daß diese Schlußuntersuchungen nicht hier möglich sind, erstaunt mich etwas. Aber die werden schon wissen, was zu tun ist.
    Schön, daß Du das auch weißt und durchziehst!

  3. Können die Stammzellen nicht evtl auch mit einer “normalen” Blutentnahme gewonnen werden?
    Das ganze nennt sich periphere Blutstammzellspende. Frag doch einfach mal nach!

    Gruß und viel Erfolg.

  4. Wünsche sowohl Dir als auch dem Empfänger auch alles Gute!

  5. Ich wußte gar nicht das heute noch regulär Stammzellen via Knochenmarkentnahme gewonnen werden… ich kenne auch nur die periphere Blutstammzellenspende. Und solange noch genug Zeit ist die Entnahme auf Mitte Dezember zu terminieren, würde auch genug Zeit für die einwöchige Hormonbehandlung für die periphere Spende bleiben.

  6. Schau an. Morgen werde ich mir voraussichtlich einen Tag freinehmen.

    Sonst hättest Du auf einen Kaffee bei mir im Büro vorbeikommen können.

  7. Ich drück die Daumen und hoffe, dass die Übertragung auch klappt. Immerhin sind die Grundvoraussetzungen wohl richtig gut.

  8. find ich klasse dass du das machst und den aufwand auf dich nimmst :)
    ich druecke fest die daumen

  9. @ M.One: Vielen Dank!

    @ Budenzauberin: Kein Grund für Lob. Ich erachte das als Selbstverständlichkeit, wenn man spenden kann und keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. Und wer weiß, vielleicht ist man eines Tages mal selbst auf Hilfe angewiesen und benötigt Blutkonserven oder eben eine Stammzellenspende. Und mein Karmakonto liegt eh immer im Soll.
    Die Klinik in Hameln ist wohl sehr spezialisiert auf diese Vorgänge und arbeitet eng mit der DKMS zusammen. Entfernungstechnisch gesehen war das die naheliegendste Option.

    @ Florian: Über die beiden unterschiedlichen Möglichkeiten der Stammzellenspende wurde ich eingehend informiert. Natürlich lag/liegt die letztendliche Entscheidung bei mir. Sowohl die durchführende Klinik, als auch die Klinik des Patienten präferieren in diesem Fall jedoch ausdrücklich die Methode, in der zwei Ärzte aus dem Beckenkamm Knochenmark entnehmen, während ich in Vollnarkose liege. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, auch wenn das für mich die erste Vollnarkose meines Lebens wird.

    @ Liisa: Auch Dir vielen Dank. Heiß wird es ja erst in einigen Wochen. Ich hoffe, das die letzten paar Prozente noch passen und vor allem, das der/die Patient(in) (Stammzellenspenden sind geschlechtsübergreifend möglich) bis dahin durchhält.

    @ Ghettomaster: Wie schon zu Florian gesagt: In diesem Fall wird von beiden beteiligten Kliniken die Knochenmarkentnahme bevorzugt. Mit dem Termin ist es so, das das offensichtlich der einzige überhaupt noch verfügbare war. Es stand – nach den Angaben die ich erhielt – noch einer in Mainz aus, der aber weiter hinten lag. Als ich meine Zusage gegeben hatte war der Termin innerhalb von zwei Studen geblockt und von beiden Kliniken bestätigt. Die Ärztin der DKMS meinte zu mir, sie wäre sprachlos und hätte noch nie eine so schnelle Terminzusage von beiden beteiligten Häusern erhalten. Es scheint schon ziemlich zu drängen, nur die Kapazitäten sind offenbar recht begrenzt, auch wenn in der Infobroschüre der DKMS von täglich vier Stammzellenentnahmen in Deutschland die Rede ist.

    @ Lars: Hmm, schade. Dann vielleicht im Dezember?

    @ The Exit: Danke, schaut gut aus, bis jetzt, Gewissheit gibt es dann hoffentlich morgen, bzw. im Verlauf der Woche.

    @ tuctuc: Danke! Und ich bin natürlich nicht ganz uneigennützig. Eine Woche frei in der Vorweihnachtszeit, in meiner Firma? Normalerweise nicht auszudenken ;)

  10. Ich drücke die Daumen. Dem Empfänger, das es passt. Dir, dass es gut geht.

    Und: danke!

  11. Ich bewundere das, ich drücke die Daumen und wünsche alles !

  12. naja wuerde eben trotzdem nicht jeder tun .. auch nicht fuer die woche ;)
    respekt ;)

  13. Kim P. Ossible

    Was hat das ganze denn mit einem längeren Aufenthalt auf der Insel zu tun? Wünsche euch, dass das alles gut über die Bühne geht…

  14. Gern! Oder ich komme Dich mal besuchen, dafür muß ich ja nichtmal das Gelände verlassen. :-)

    Drücken wir mal die Daumen, daß alles paßt.

    Übrigens, das mit dem Englandaufenthalt würde mich auch interessieren.

  15. Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Glück. So ne Narkose ist ein interessantes Erlebnis, wenn mans auch nicht regelmäßig haben muß. ;)

  16. @ creezy: Ich danke!!

    @ Elsa: Danke ebenfalls, aber die Sache bitte nicht zu hoch hängen, da ist nix bewundernswertes dran, ich finde es selbstverständlich und freue mich, das ich (hoffentlich, ist ja noch nicht 100 % fix) die Chance habe, zu helfen.

    @ tuctuc: ;) Ich kenne keine Zahlen, wie viele potentielle Spender sich vmal erweigert haben, obwohl es die Möglichkeit gab. Ich finde die Entscheidung zur Spende leicht und einfach, es mag aber sicher auch Personen geben, die beim Gedanken daran Probleme bekommen, wegen der Operation oder des Verfahrens. Das möchte ich gar nicht beurteilen müssen, für mich ist die Entscheidung zum Glück eben sehr leicht.

    @ Kim: Ich werde versuchen, die Frage mit der England Sache morgen zu klären. Ich vermute einen Zusammenhang mit irgendwelchen Impfungen, die möglicherweise in dieser Zeit im UK getätigt wurden (Impfungen waren auch ein Thema in der Besprechung mit dem Arzt).

    @ Lars: Das behalten wir mal im Hinterkopf. Arbeitest Du dort? (Und thx!)

    @ Ghettomaster: Das erzählen mir recht viele in den letzten Tagen. Und von der “Scheißegal-Pille”. Mal sehen, wie es wird ;)

  17. Ja, allerdings.

    Aber keine Sorge: Nur als Systemadministrator. :-)

    (Und mit den medizinischen Geräten habe ich zum Glück nichts zu tun.)

  18. Ich bin hier zufällig gelandet, hab mit Interesse über die Stammzellenspende gelesen, und kann zufällig was dazu sagen, warum man nach längerem Englandaufenthalt nicht mehr spenden darf (ich war nämlich im betreffenden Zeitraum länger als 6 Monate in England, und darf in D kein Blut spenden):
    Das liegt an BSE. Haben offenbar immer noch alle Angst, dass das auf den Menschen übertragbar ist – wobei so langsam dann ja mal die Epidemie ausbrechen müsste.

  19. Rosa hat schon die richtige Antwort gegeben – bei der Frage nach dem Auffenthalt im vereinten Königreich geht es um eine mögliche Infektion mit BSE.

    Ich hatte der Ärztin bei der DKMS heute morgen eine Mail geschrieben und nach diesem Umstand sowie dem medizinischen Grund für die (in meinem Fall) Bevorzugung einer Stammzellenspende per Knochenmarkentnahme gefragt. Antwort:

    (…) 1. bei einer Entnahme aus dem Knochenmark werden in der Regel weniger Stammzellen gewonnen. Diese wachsen ein wenig langsamer beim Patienten an und führen zu geringeren Abstossungsreaktionen. Dh. beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile für den Patienten. Knochenmark ist oft auch eine Option für Kinder (da macht das dann nichts aus, dass es weniger Zellen gibt)
    2. bei Großbritannien geht es um eine mögliche Gefahr der Übertragung von BSE (…)

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