Ein Quantum Trost

Ein Quantum TrostMit »Ein Quantum Trost« fungiert ein Bond-Film erstmals als Fortsetzung des vorhergehenden Werks. Der britische Top-Agent sinnt auf Rache für den Tod seiner im Ende von »Casino Royale« umgekommenen Gespielin Vesper Lynd, was ihn von Mitteleuropa über die Karibik bis nach Bolivien und zurück führt.

»Ein Quantum Trost« ist der Bond-Film für Leute, die eigentlich keine Bond-Filme mögen. Mehr noch als in Vorgänger hat man versucht, frischen Wind in die Reihe zu bringen und den aktuellen BigScreen Zeitgeist zu erfassen. Das gelingt zugegebermaßen gut, allerdings für den Preis des beinahe vollständigen Identitätsverlustes. Judy Dench in der Figur der Geheimdienstchefin M sagte mal in »Goldeneye« zum seinerzeitigen 007-Darsteller Pierce Brosnan: »Sie sind ein Relikt des kalten Krieges« – nun, mittlerweile ist eben diese M das beinahe letzte Bindeglied zur herkömmlichen Serie.

Der Streifen ist furios, actionreich, begeht allerdings den Fehler, diese Action – ebenso wie diverse ultrastylische Sequenzen – zu oft zum Selbstzweck verkommen zu lassen. Die eigentliche Story bieten nur einen losen Aufhänger für eine Vielzahl von Effektschlachten, Kämpfen und Verfolgungsjagten. Diese sind ohne Frage excellent gemacht und mit einem an die Bourne-Trilogie erinnernden Schnittgewitter inszeniert, gehen aber auf Kosten der Tiefe in diesem mit knapp über 100 Minuten eh schon kürzesten Bond aller Zeiten. Am Ende bleibt die Aussicht auf ein weiteres Sequel, einige offene inhaltliche Fragen werden aber mit Sicherheit ungeklärt bleiben.

Letztendlich ein sehr solider Actionkracher in Hochglanzoptik, dem es etwas an Tiefgang und Identifikationsfähigkeit mangelt. Daniel Craig in Topform, aber darstellerisch unterfordert, Matthieu Amalric als Oberfiesling Dominic Greene verliert das Duell gegen seinen Vorgänger Mads Mikkelsen klar, hier reicht es nicht zu mehr als für einen Abstiegsrang in der Liga der Bond-Gegenspieler.

3 Kommentare, Comment or Ping

  1. Kann man alles so stehen lassen, sehr feine Review.

  2. Dem neuen Bond fehlt der Charme der die Filmfigur immer ausgemacht hat. So ist er eben nur ein weiterer Aktionheld.
    Vielleicht bringen sie ja noch eine Entwicklung rein, es ist ja sozusagen der junge Bond

  3. @ Tom: Thx!

    @ Brandau: Genau meine Meinung. Ein gut gemachter, solider Film, aber es fehlt das visionäre, das die Bond-Streifen mal ausgezeichnet hat. Hier wird nichts neues gemacht, der Film setzt vielmehr auf Muster, die zwar als modern gelten, aber eben von anderen Produktionen vorgezeichnet wurden. Eine Entwicklung halte ich nur für schwer möglich, da aufgrund der langen Abstände zwischen den Filmen doch eher jeder für sich steht.

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