Gruppenzwang ‘09

Irgendwann früher reichte es mal, ein Captain Future-Stickerbuch zu haben, um als cool zu gelten. Später wurde es aufwändiger, man mußte einen besonderen Füller sein eigen nennen, um dabei zu sein. Und die richtigen Turnschuhe tragen, dazu die richtige Jeans und das im Rückblick lächerlich zu große Sweatshirt von einer dieser Skater- oder Surfermarken.

Die Zeiten ändern sich. 2009 ist »in«, wer den aktuell angesagten Schulrucksack von genau diesem einen Hersteller besitzt. Und jenen dann bereits im prä-pubertären Alter schon Altherren-mäßig hinter sich her zieht.

Macht im vorliegenden Fall  eine vierstimmige Kakophonie in KLACK, TSCHUCKKK, RÖDDELRÖDDELRÖDDELRÖDDELRÖDDEL.
Erst recht auf Kopfsteinpflaster.

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16 Kommentare, Comment or Ping

  1. Mist, schon wieder einen Trend verpasst.

    Wobei, ich vermute ja, dass hier schlicht irgendwelche gut gemeinten Tipps aus pädagogische wertvollen Hochglanzmagazinen (”Schwere Bücherruckssäcke gehören nicht auf Schülerrücken!”) mit der ostwestfälischen Pflasterrealität kollidieren. Oder?

  2. Ja, mach Dir nichts draus, wir “Alten” kommen halt nicht mehr hinterher.

    Das mit den Haltungstipps kann natürlich stimmen. Schon zu meiner Schulzeit trieb manchen Pädagogen die Sorge, das die armen Kinder sich an der schweren Schultasche einen Bruch heben könnten. Gab es nicht damals sogar Tornister (… welch antiquiertes Wort …), die im Haltegriff eine eingebaute Waage hatten?

    Andersherum war da aber auch die Sorte Lehrpersonal, die uns verweichlichten Degenerationszöglingen bei jeder sich bietenden Gelegenheit unter die Nase rieben, das sie in ihrer Kindheit schon mit acht die Kohlen schaufeln mußten und in der Schule den Arsch versohlt bekamen.

    Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Heute hat man als Schüler natürlich noch Netbook, Handheld-Spielkonsole, drei Dosen Energydrinks und diverse Netzteile dabei. Da kommt natürlich auch was zusammen.

  3. Ja, es gab und gibt immer noch die Schulranzen mit der Waage im Griff. Ich kann mich noch genau erinnern, dass die eigentlich immer den roten Balken angezeigt hat, außer er war leer, dann war es grün ;-)

  4. Budenzauberin

    Schön, daß Sie das Thema aufgreifen, dann brauche ich es nicht mehr tun.
    Da unsere Kleinste ja nun auch nicht mehr wirklich klein ist, sondern sich neuerdings zu den Schulkindern zählen darf, beobachte ich diesen Wägelchen-Trend auch seit einiger Zeit. Grob geschätzt haben mehr als die Hälfte der Erstklässler (!) so ein Ding. Ich befürchte jedoch, daß sich die Eltern alsbald in den Allerwertesten beißen werden, denn die Dinger kippen gern mal beim schnelleren Gehen und an Borsteinkanten um, und da dürften sie den Beginn der 2. Klasse nicht mehr erleben. Und: die lieben Kleinen haben im Klassenraum eigene Fächer, in denen all das bleiben kann, was daheim nicht gebraucht wird. Somit ist der Ranzen auf dem Rücken nicht schwer (und das sage ich als Mutter von einem doch eher zierlichen Mädchen!). Ich finde es aber gut, daß die anderen Kinder diese Tornister mit Rad dran haben, da weiß man dann nämlich gleich, wessen Eltern ein Rad ab haben.

    (Wenn Sie sich noch ein bißchen mehr aufregen wollen, dann schauen Sie mal nach den Preisen für die Rollis…!)

  5. Tja, da drängt sich ja gleich die alles entscheidende Frage auf: Wart ihr Amigo oder Scout? ;)

  6. Ich wäre ja froh wenns den Trend damals gegeben hätte. Fächer hatten wir nicht, daher war schleppen angesagt. Besagten Rucksack mit Waage im Griff (”Amigo” hießen die glaub ich) hatte ich auch, das Teil war permanent auf Anschlag.

  7. Das mit den Fächern ist zwar schön, aber dummerweise braucht man die Bücher ja in der Schule zum Unterricht und zu Hause für die Hausaufgaben. Ich habe selten irgendwas in den Fächern liegen gehabt außer ein paar Zettel vielleicht.

  8. also mal ganz davon abgesehen das ich nie einen wirklich weiten schulweg hatte (5 und 10 mins langsam (klar auf dem hinweg) zu fuß) war mein Ranzen nie wirklich schwer. Und das sag ich, die immer zu faul war, am abend vorher das nicht benötigte rauszuholen und lieber für die ganze woche alles mitgenommen hatte… Und Fächer hatten wir auch nicht… obwohl wenn man einen festen Klassenraum hatte, hätte man evtl ein paar sachen unter dem Tisch lagern können..aber das war auch irgendwie komisch, weil man war ja nie die einzigste klasse in dem raum

  9. @ Eric: Ich glaube – bei den Geräten hat das Eichamt einfach noch nicht richtig hingeschaut.

    @ Budenzauberin: Es ist ja auch ein Kreuz. In einigen Jahren werden Mediziner Haltungsschäden aufgrund des unnatürlich nach hinten verdrehten “Zugarmes” feststellen – und einseitig verlängerte Arme sowieso. Die wachsen ja alle noch. Und was nützt es, die Lautstärke von Ipods zu begrenzen, wenn die Kinder eh alle taub werden, weil die Schultasche beim Rollen so einen Krach macht?

    (… und die Preise sind noch zu günstig. Strafzölle auf so einen Unfug! ;) )

    @ Beastieb: Scout, solange ich noch nicht selbst aussuchen durfte. Dann Rucksack, Marke egal.

    @ Denis: Aber so ein Rentnerhafter Rollkoffer? Wir hätten damit damals bestenfalls Hammerwurf trainiert.

    @ Eric: Das wäre doch gleich ein findiges Konjunkturprogramm für schwarzgelb: Bücher doppelt anschaffen. Die Verlage nagen ja eh alle schon am Hungertuch, siehe “Hamburger Bullshit Erklärung”.

    @ Kizu: Sag ich ja. Nachdem ich als Grundschüler morgens am Fluss das Eis kleingekloppt hatte und die Brocken dannach auf der nackten Schulter nach Hause trug (… zum schmelzen, gab ja kein fließend Wasser damals) – ha, danach kam mir die Schultasche auch immer federleicht vor.

  10. @ker0zene

    Diese im Griff integrierte Waage ging ja auch nur bis 3,5kg. Unter 5kg kam ich mit meinem Rucksack eigentlich nie. Das wurde bei uns an so einem orthopädischen Aktionstag sogar mal mit ner entsprechenden Waage gemessen.

  11. Das mit den Fächern in der Schule ist ja schön und gut, nützt aber nichts, wenn man bei den Hausaufgaben eh wieder alle Bücher braucht. Bei mir in der Grundschule war nur der Farbkasten in der Schule, der Rest auf dem Rücken (und natürlich war die Wage am Anschlag, was auch sonst). Und wenn die Klassenlehrerin dann die tolle Eigenart hatte, den Stundenplan gerade so zu gestalten, wie es ihr passte, konnte man sich auch nicht auf den Studenplan verlassen und musste immer alles mitschleppen. Im Gymnasium gab es solche Sachen wie “Fächer” auch gar nicht mehr, allerdings konnte man sich hier wenigstens darauf verlassen, dass die Fächer auch wirklich so gegegeben wurden, wie es im Stundenplan stand.

    Ansonsten: Bis Klasse 5 oder 6 Scout und danach Rucksäcke. Dabei dann aber nicht diese 08/15 4 You Teile, die gerade in waren, sondern richtige, hochwertige Rucksäcke, die dann auch ein paar Jahre durchhielten.

  12. sternburg

    Dabei war die Lösung doch so naheliegend: Bücher im Schließfach lassen, Hausaufgaben ausschließlich in der Pause vor der jeweiligen Stunde anfertigen.

    Oder während der Anwesenheitsüberprüfung am Stundenanfang. Oder (die beliebte Textzusammenfassung) “on the fly”: Mit den Augen einen Absatz überfliegen, mit dem Mund den davor zusamenfassen.

  13. Panama Jack

    @Sternburg:
    Oder in Mathe, wo’s diese Marathon-Hausaufgaben gab (”Ihr macht mal Aufgabe 7 a-c, d-g, 8 a-f und 10 a, c und d”): Kurz abzählen, bei welcher man mit vorlesen drankommt und die schnell ausrechnen. Geht nur nach hinten los, wenn der Typ 2 vor dir nix gemacht hat und die Reihenfolge versaut.

    Mein persönlicher Favorit: zur 1. Stunde 10-15 min zu spät kommen, dann sind die Hausaufgaben durch und man wird nicht mehr gefragt. Dann hat man immer noch 35 min für die Aufgaben der 2. Stunde usw. ;-)

    Ach, und zum Thema:
    Fächer gabs nicht, Bibeln, Atlanten und Malkästen waren im Klassenschrank eingeschlossen, der Rest musste mitgeschleppt werden. (Was schonmal ausarten konnte bei Material für 6 Stunden plus Sportzeug, da hätte ich 3 von den Rollköfferchen da gebraucht. Aber ich hatte ja ein Fahrrad, wo man alles beliebig abenteuerlich drantüdeln konnte :-D )

  14. Budenzauberin

    Leute, wir reden hier nicht von Oberstufenschülern, die m.E. durchaus in der Lage sein dürften, Atlanten und anderes mitzuschleppen, sondern von ERSTKLÄSSLERN, die sehr wohl Fächer im Klassenraum haben und die derzeit maximal in zwei Fächern Hausaufgaben bekommen, ergo auch nur maximal 2 Bücher und 2 Hefte sowie Etui tragen müssen. Dafür einen Trolley zu benutzen, halte ich nunmal für mehr als übertrieben.

  15. @ Denis: “orthopädischer Aktionstag”? Hört sich schwer nach einer Aufforderung zum Blaumachen an (… ich weiß ich weiß, in der Grundschule hatte ich da auch noch Skrupel …)

    @ Lars: Wie es die Budenzauberin schon geschrieben hat – in den ersten Klassen sehe ich ja ein, das es da nicht zu viel sein sollte. Aber wenn man dann richtig schleppen muß ist man normalerweise schon ein paar Jahre weiter. Ich weiß nicht, wenn man sich darüber unterhalten muß ob ein Schüler 4 oder 5 Kilo zu tragen hat das ist wohl auszuhalten, es schleppt ja keiner x-Kilometer. Und Sport machen die meisten eh zu wenig.

    @ Sternburg: Hey, waren wir in einer Klasse?

    @ Panama Jack: Problem – für schnell ausrechnen hat es da bei mir schon nicht mehr gereicht. War deswegen ein Anhänger von Variante B. ;)

    @ Budenzauberin: Word! Rückblickend meine ich mich auch zu erinnern, das sich nie ein Kind über einen zu schweren Ranzen beschwert hatte … das waren immer irgendwelche überbesorgten Eltern oder Lehrer.

  16. Der Tornister meiner Tochter ist eindeutig zu schwer. Daran ändern konnte ich nichts, da sie jeden Tag die verschiedensten Fächer hat und alle Materialien zu hause und in der Schule benötigt. Wenn das Ding schon so schwer ist, dass ich es nicht tragen wollen würde, kann es für sie einfach nicht gesund sein. Über den Trend mit den Trolleys bin ich ausnahmsweise mal erfreut.

    Das Geräusch finde ich sehr treffend von Dir aufgeschrieben ;)

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