… Louages, ein Kolosseum, uralte Peugeots und Raubkopien in der Wüste.
An diesem Freitag geht es ins Landesinnere. Die Kleinstadt El Jem, ca. auf halbem Wege zwischen Sousse und Sfax gelegen, ist unser Ziel. Mit dem Bus fahren wir zunächst nach Monastir, um von dort per Sammeltaxi weiterzureisen. Kurz bevor wir die Louagestation am Busbahnhof nahe der Altstadtmauer erreichen, ereignet sich vor dem Bus im Kreisverkehr ein Unfall. Ein alter Mann auf einem Moped zieht bei der Aufahrt aus dem Kreisel zu weit nach rechts und touchiert dabei einen überholenden Wagen. Zum Glück war die Geschwindigkeit sehr niedrig, so das dem Mann schnell aufgeholfen werden kann. Offensichtlich ist nichts ernsteres passiert. Passanten klopfen ihm den Mantel ab, und nachdem sich die im Nu gebildete Traube aus ca. 20 Schaulustigen aufgelöst hat, kann der Bus die Fahrt fortsetzen.
Wenig später erreichen wir die Louagestation, die es in Tunesien in jedem größeren Ort gibt. Louages sind Sammeltaxen, in der Regel weiße Kleinbusse mit 9 Plätzen, die einen roten oder gelben Erkennungsstreifen tragen. An den Stationen findet man Fahrzeuge mit Zielen in alle Himmelsrichtungen, sobald ein Wagen voll ist, geht es los. Abseits der Stationen es auch möglich, jederzeit auf offener Straße per Handzeichen eine Louage anzuhalten, sofern noch ein Platz frei ist, wird man für einen entsprechenden Anteil des Fahrtgeldes mitgenommen.
Wir haben Glück, da El Jem auf halbem Wege zur Industriestadt Sfax liegt, ist diese Strecke gut frequentiert. Die letzten beiden Plätze in einem älteren Mazda-Bus sind unsere, außer uns ist der stark ramponierten Wagen mit einer Gruppe Studenten besetzt, die über das Wochenende nach Hause wollen.
Unmittelbar nach dem Einsteigen geht es los, allerdings in die falsche Richtung, wie ich nach kurzer Strecke bemerke. Es geht zunächst in einen Vorort, wo der Fahrer an einem Zeitungskiosk parkt, aussteigt und die Schlüssel an einen anderen Mann übergibt. Wohl die Lenkzeit überschritten. Der neue Fahrer trinkt zunächst in Seelenruhe seinen Tee aus, faltet die Zeitung und setzt dann die Fahrt fort. Diese verläuft für die ersten Kilometer recht unruhig weil man in Tunesien große Stücke auf Verkehrsberuhigende Maßnahmen legt und entsprechend nicht mit Bremsschwellen gegeizt hat. Außerhalb wird die Straße dann so ruppig, das zusammen mit dem geplagten Fahrwerk des Mazdas kaum mehr als 60 Stundenkilometer möglich sind.
So dauert es alles in allem über eineinhalb Stunden, bis die ca 70 Kilometer nach El Jem absolviert sind. Von Norden führt die Straße über Kilometer schnurgerade ins Zentrum des Ortes, in dem es nichts zu sehen gibt – außer dem altrömischen Kolosseum, dem drittgrößten der Welt nach denen in Rom und Capua.


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