P52: Meine Stadt

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Ich habe mich entschlossen, in diesem Jahr am Projekt 52 teilzunehmen. Hier Thema 01/2009.

Tunesien Tag 3 – Sahline …

… verwöhnte Vierbeiner, unfertige Häuser und unbedingte Mobilität.

Am dritten Tag lassen wir es etwas ruhiger angehen. Der Wind der ersten beiden Tage hat nachgelassen, bei 20°C locken ein paar Stunden am Strand. Diesen haben wir, abgesehen von den unvermeidlichen Securitymännern, gemeinsam mit ein paar Volleyball-spielenden Briten (zu lauter Musik von Chris de Burgh …) für uns allein. Auf dem Rückweg lauern uns die Hotelkatzen auf, von denen wir bis zu 15 auf einmal gezählt haben. Die Biester sind derart verwöhnt von den Leckereien, die ihnen die Gäste vom All-inklusive-Buffett mitbringen, das sie eine simple Wurst schlichtweg verschmähen.

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Gegen Abend brechen wir zu Fuß in die nächst gelegene Stadt auf. Sahline liegt etwa 5 Kilometer entfernt landeinwärts, hinter einigen großen künstlich angelegten Salzseen, welchen die Stadt ihren Namen verdankt. In die untergehende Sonne hinein überqueren wir einen aus grobem Schutt und Geröll aufgeschütteten Damm, den oben eine frische Asphaltdecke beschließt. Links und rechts des Dammes hat sich einiges an Müll angesammelt, einzelne Tierkadaver verotten vor sich hin. Von den Straßenlaternen scheint kaum jede vierte, dennoch haben nur die Autos Scheinwerfer eingeschaltet. Die ebenfalls zahlreich verkehrenden Mopeds und Motorroller verzichten beinahe zur Gänze auf Beleuchtung, grüßen jedoch freundlich. In der Mitte kreuzt die Trasse der Metro du Sahel, welche die Regionalhauptstadt Sousse mit den südlicheren Küstenorten verbindet. Es ist abendliche Rush-hour, viele Menschen sind unterwegs, über das Wasser schallen die Rufe der Muezzine zum Abendgebet bis zu uns.

[Lies alles]

Geheizt

Wirklich warm ist es im Büro nicht. Die schmalen Heizkörper unter den Fenstern bollern zwar nach Kräften, schaffen es aber nicht, die großen Räume aufzuheizen. Die schlechte Isolierung und das kalte Treppenhaus an zwei Seiten ziehen viel Wärme ab. Nebenan stehen die Kollegen und wärmen sich die Finger an einer Tasse heißem Kaffee, während die Gespräche sich um Heizen drehen. X befürchtet, nicht genug Öl für diese Art von Winter zu haben, Y beklagt sich, das sein Bruchstein-Altbau sowieso nicht warm zu bekommen sei und Z ärgert, das er in seinem Neubau eine Pellet-Heizung installiert hat, wo jetzt alle in der Siedlung drumherum auf Erdwärme machen.

Ich grinse, hinter der Hirnrinde fängt ein kleines Lied zu spielen an. In der »neuen« Wohnung lebe ich nun schon über zwei Jahre, die Heizung war vielleicht fünf mal an, wenn kälteempfindlicher Besuch da war. Ich wohne im Erdgeschoss, mit allen Fenstern nach Süden. Die junge Familie links und das Rentnerpaar rechts heizen nach Kräften. Klar, die haben drei Außenwände. Bei der alleinstehenden Frau über mir dürfte es auch nicht kalt sein. Und direkt unter meinem Flur und dem halben Schlafzimmer liegt der Heizungskeller, wenn ich morgens den ersten Schritt aus dem Bett mache gibt es direkt warme Füße. Egal was ich mache, es sind 19,5 oder 20 Grad in der Wohnung. Gestern ließ ich tagsüber versehentlich eines der Schlafzimmerfenster auf Kippe, abends waren es trotzdem noch 17,2 Grad (… nicht, das ich so eine nerdige Wetterstation hätte. Der Wecker hat ein Thermometer.). Nachdem der Rechner dann eine Stunde lief war es wieder warm und nach der chinesischen Nudelsuppe mit ewas zu viel von der scharfen Gewürzmischung trug ich T-Shirt und kurze Hosen. Nimm dies, Russland & Ukraine!!

Selbst schuld, wenn man keine Klappentexte liest.

Vor Weihnachten äußerte die Kollegin die Absicht, das Buch ›Die Leber wächst mit ihren Aufgaben‹ von »diesem Dieter Nuhr« zu erwerben, zwecks Verschenkung an die werten Eltern. Ich bemerkte, das sie doch sicher das Buch von Eckart von Hirschhausen meine. »Ach so, ja, …«, sie habe da wohl beim fernsehen etwas durcheinander gebracht. Ob ich mich denn genauer auskenne?

Oho! Tief irgendwo innerlich schauert es mich vor solchen Situationen. Das ist der Moment, wo der kleinen Opposition von Vernunft in mir ein Homer- Simpsonereskes »Nein!« entfährt und der wahnsinnige Rest die Pferde sattelt.
»Klar,« beschied ich, und es spielte mir in die Karten, das bekannt ist, das ich öfter mal in der Stadtbibliothek abhänge (… was freilich mehr dem dort verfügbaren Angebot an Foto- und Filmzeitschriften geschuldet ist). »… kauf lieber ›Feuchtgebiete‹ von Charlotte Roche, da wird ja derzeit viel drüber gesprochen, das ist auch, ähem, … spritziger.«.

Nun ja, sie hat es getan. Und ich wusste natürlich, das ihre Eltern die siebzig vermutlich schon erreicht haben und in einem eher konservativen Örtchen wohnen, welches den genauen Einwohnerstand noch auf dem Ortsschild präsentiert. Das Geschenk war wohl ein großer Erfolg.
Ich trinke meinen Morgenkaffee in den nächsten Tagen wohl allein.

Frisch draussen.

Um kurz nach acht glüht der Horizont im Osten unter einem dunkelblauen Himmel leuchtend rot. »Die Engel backen Brot.« hätte meine Oma gesagt. Mögen sie ein paar Scheite extra drauflegen. Die Thermometer liefern sich ein Wettrennen. 13 °C Minus an der Sparkasse im Riemeke, die Apotheke am Westerntor gewinnt mit Minus 16 °C. Vor dem Meyerbeers in der Fußgängerzone stehen trotzdem Tische und Stühle auf dem Pflaster. Ein Zettel im Fenster informiert, das man sich seinen Kaffee drinnen selbst abholen muß. Während der Rauch aus den Schloten nicht ganz senkrecht in den Himmel steigt wundere ich mich, wie warm die Jacke bei diesen Temperaturen noch ist. Nur die Kabel vom Ohrhörer sind reichlich steif und Handschuhe wären eine gute Idee gewesen.

Taghell …

… war es nicht ganz, aber nahe dran. Zu Fuß unterwegs in Paderborn, Riemekestraße Ecke Balhornstraße, vergangene Nacht kurz vor Mitternacht. Fünfzehn Zentimeter Schnee und ein hell erleuchteter Himmel. Man konnte auch abseits der Straßenlaternen Zeitung lesen und Farben erkennen. Fotos aus der Handyknippse, unbeabeitet und ohne Blitz.

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Fragen Sie nicht …

Meine Ex-Nachbarin hat zu Weihnachten eine neue Kaffeemaschine bekommen. So ein neumodisches Designgerümpel, bei dem der Kaffee aus etwas gebrüht wird, das wie eine eingelaufene Damenbinde aussieht. Und wo der Kaffee auch entsprechend schmeckt (fragen Sie nicht, woher ich weiss wie …). Die alte, noch voll funktionsfähige Kaffeemaschine, die sich über Jahre bewährt hat und welche nun wirklich erstklassig »eingefahren« war, hat sie dafür weggepackt. Dafür erleidet man bei einem einfachen Besuch nun eine sensorische Entdeckungsreise durch die Kaffeeanbaugebiete Mittelamerikas. Leider nur eine geschmacklich viertklassige, quasi durch die Bahnhofskneipen der Region, in denen mißmutige Baristas mit Knastdiplom das Wischwasser der Toilettenräume aufbrühen.

Die Pads sind ihr allerdings eigentlich auch schon zu teuer und sie denkt über Alternativen nach. Gibt ja auch immer ein günstiges Derivat beim Discounter oder bei Ebay. Oder gleich Selbstbausätze zum Kaffeebrauen, vielleicht Drahtgitterchen zum aufklappen oder so, von denen ich gedacht hätte, das die nur von Leuten genommen werden, die für ihre Kinder noch Baumwollwindeln benutzen. Man kann ja immer gut erkennen, wenn jemand diese MacGyver-Version des Kaffeepad-Baus benutzt hat – das sind die mit dem Kaffeesatz in den Zähnen. Ich komme durch genug Büros und Firmen, um das bestätigen zu können.

Jaja, Kaffee. Ich bin ja geschmacklich eher einfach gestrickt. Ich kenne nur: Schmeckt! oder Schmeckt nicht! Andere Bekannte von mir haben nun aus, hmmm, nennen wir es mal »Gesellschaftsdruck«, auch eine Kaffemaschine angeschafft.Eine ganz normale sogar. Sonst gabs bei denen nur Matetee. Es hat wohl genervt, wenn beim Geburtstags-SitIn zigmal nach Kaffee gefragt wurde. Trotzdem werde ich da nix mehr ordern, so lange das Getränk aus einem Gefäß kredenzt wird, das zwar stylisch aussieht, dessen Bedienung (Finger verbrüht!) mich aber ähnlich konfus zurück läßt, wie die der drei Muscheln das mit Sylvester Stallone in »Demolition man« macht.

In der Kantine gibts übrigens auch einen neuen Kaffeeautomaten. Vielleicht wollte der Chef auch nur seinen Parkplatz vorne am Eingang wieder haben, den ansonsten ständig der Monteur belegte, weil das Kantinenaggregat fortwährend bockte. Auch beim neuen Apparat schmeckt der Kaffee allerdings weiterhin, als wäre er durch Landsersocken nach dem Russlandfeldzug gefiltert worden.
Nochmals, fragen Sie …

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