Wie man Elfmeter nicht verwandelt.
Lange zweieinhalb Tage hat sie auf sich warten lassen, die Erklärung von JAKO zur Auseinandersetzung mit dem Blogger Trainer Baade. Und sie ist nicht so geworden, wie man sie sich gewünscht hätte. Aus Sicht der Blogger nicht, vor allem aber auch nicht aus Sicht der Firma.
Schon der erste Satz, in dem Vorstandschef Sprüngel mit dem Eingeständnis einer Überreaktion zitiert wird, klingt seltsam distanziert. Es scheint, als fiele es JAKO schwer, die passende Rolle zu finden, irgendwo zwischen der Trikot-verkaufenden Augenhöhe von Weltkonzernen als Global Player in 40 Ländern und der heimatverbundenen Hemdsärmeligkeit des Mittelständlers aus dem schmalen Streifen zwischen Jagst und Kocher, dessen Chef und Gründer mal in der zweiten Liga gekickt hat.
Die Pressemitteilung scheitert an ihrer kühlen Kalkuliertheit, man merkt ihr den Druck an, unter dem das Unternehmen steht, aber es fehlt ihr die Befreiung, die diese Äußerung hätte sein können. Die Nachricht ist strategisch plaziert, soll keinen Zoll zu weit Einblick gewähren. Es ist beinahe spürbar wie angestrengt hier gefeilt und taktiert wurde.
Der Pressetext wird morgen nicht in der Presse stehen, weil er zu spät für den Redaktionsschluß der meisten Zeitungen veröffentlicht wurde.
Und warum hat man wohl diesen Zeitpunkt so ausgesucht? Strahlende Sieger veröffentlichen keine Pressemitteilung donnerstags 19h30.
(dogfood im Kommentar auf allesaussersport.de)
Jako hatte die Chance – ich schrieb es in meinem Eintrag vom Dienstag – die ganze Kontroverse schneller und viel besser zu lösen. Man hätte im übertragenen Sinne ›heruntersteigen‹ können, um auf Augenhöhe zu kommunizieren. Von der großen Firma zum kleinen Blogger, oder dem einfachen Leser, der die Geschichte in Online-Medien, auf Twitter oder sonstwo verfolgt. Hätte man nur einen oder wenigstens einen halben Tag eher reagiert, in einfachen Worten aus der Perspektive von meinetwegen Herrn Sprüngel, man hätte die gute Gelegenheit gehabt, die Kontroverse zu nutzen und sogar dabei zu gewinnen. Nicht viel wäre dafür nötig gewesen. Eine aufrichtige Entschuldigung, ein kleiner Einblick in die Entscheidungsprozesse. Denn man hätte JAKO eine gewissen Unerfahrenheit zugestanden, Fehler machen darf jeder. Gefühlt halbherzig ›Entschuldigung‹ sagen, jene dabei zwischen jeder in Reichweite befindlichen Eigenwerbung zu verstecken und dazu noch zeigefingerreckend bemerken, das man formaljuristisch aber alles richtig gemacht habe – das sollte man nicht.
Vollends ins Wanken gerät die Mitteilung dann dort, wo man Baade quasi vorwirft, ohne »endgültige Klärung« die Bloggerszene alarmiert zu haben. Lächerlich, angesichts bewußt knapp gesetzter Fristen der beauftragten Rechtsanwälte einerseits und der firmenseitigen Unfähigkeit, auf Fragen von Journalisten und Bloggern zu antworten andererseits. Fürs Protokoll: Der von Kai Pahl im Vorfeld seines als ›Initialzündung‹ zu sehenden Postings auf allesaussersport.de vom frühen Dienstagmorgen erschien erst, nachdem mehrere Tage lang keine Aussage von JAKO und deren Rechtsbeistand zu bekommen war.
JAKO wird es schwer haben, verlorene Reputation zurück zu gewinnen. Man hat nicht die großen Stars, man hat nicht die schillernde Werbung, die einen Vorgang wie diesen im Grundrauschen des Mediengetöses kurz- oder mittelfristig übertünchen könnte. Die Pressemitteilung zitiert den Firmenchef gegen Ende des Textes noch ein weiteres mal
Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt haben.
Ich mir nicht.
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