Der Herr Wulff …
Ich habe heute abend nur knapp 20 Minuten von Stefan Raabs Wahl-Sendung auf Pro7 gesehen. Das war genau der Abschnitt, in denen es am Rande auch um die Piratenpartei und das Thema Netzsperren ging. In den Medien konnte man heute lesen, das die Teilnahme an der Sendung bei den Politikern begehrt sei. Wegen der seltenen Möglichkeit des Zuganges zur jungen Wählergruppe. Es ist anzunehmen, das diese Gruppe die netzaffinste unter den Wählern ist, dementsprechend geschliffen waren auch die Statements der Anwesenden, als es auf die Themen Netzsperren und Piratenpartei kam. Wobei Karl-Theodor zu Guttenberg als Vertreter der CSU einen harmlosen, für ihn aber hoch-peinlichen humoristischen Bauchklatscher landete, als er die vermeintliche Verwechslungsgefahr der Piratenpartei mit den Seepiraten vor Somalia zum besten gab.
Einzig der angetretene CDU-Vertreter, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, ging unvermittelt steil, wobei in den Nachbetrachtungen zur Sendung zu lesen ist, das er sich ansonsten nur sehr zaghaft zu Wort meldete. Als es um die Netzsperren ging und die anwesenden Müntefehring, Westerwelle, Trittin und Gysi sich sehr zurückhaltend äußerten und eher anmahnten, hier für ein besseres Verständnis der Technik (in Reihen der Politik) zu sorgen und einen Dialog mit den jungen Kritikern herzustellen, als auch gemahnt wurde, die Freiheitsrechte des Grundgesetzes auf aktuelle Kommuikationstechniken auszudehnen und die Freiheit zu schützen – da wurde Wulff energisch. Keinesfalls werde man die Einschränkung der Würde des Menschen im Internet dulden, und am wenigsten Kinderpornographie und ihre Verbreitung zulassen. Hier gebe es keinen Spielraum.
Wulff redete damit, mal wieder und wie so oft, völlig am Thema vorbei. Was mich sehr wundert, denn ich gehe eigentlich davon aus, das ein so wichtiger Politiker gebrieft wird, bevor er sich am Vorabend der Wahl vor einem Millionenpublikum äußert. Hat der Mann immer noch nicht begriffen, das niemand, NIEMAND gegen eine Strafverfolgung von Kindesmißbrauch ist? Das alle Kritik an den Netzsperren sich an deren Wirkungslosigkeit richtet, an die hier unter Vorgabe fadenscheiniger Gründe etablierte Zensur-Infrastruktur und an die hier buchstäblich propagierte Kultur des wegsehens?
Kein Mensch wundert sich, wenn ein CDU-Politiker sich vor seiner alteingesessenen Stammwählerschaft in einem Bierzelt mit markigen Worten für Dummheiten wie Netzsperren stark macht (… manche sind freilich so blöd, sich dabei filmen zu lassen …). Ich hätte die Wahlkampfmanager und Spin-Doktoren der CDU aber für schlauer gehalten, hätte erwartet, das Herr Wulff in der Pro7 Sendung zu diesem Thema moderater, sachlicher auftritt. Dieses kurze fallen-lassen seiner Maske hat aber einmal mehr gezeigt – sie verstehen es immer noch nicht. Sie verstehen es wirklich nicht. Und scheinbar leben die Leute von der CDU so sehr in ihrer eigenen, verqueren Welt, das es ihnen auch nicht mehr beizubringen ist.
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