Mis(ter)understood

Vorhin im Studio zu einer Frau gesagt, sie müsse die Beine breit machen.
Sie mir eine übergezogen, erstens mit Schmackes und zweitens mit der Langhantel. Ich mir die Backe gehalten, trotzdem weiterhin tapfer bei der Wahrheit geblieben und behauptet, das die Füße bei der Kniebeuge aber mindestens schulterweit auseinander gehören.

Don’t stop the dance!

(…) footsteps in the dark come together
gotta keep on moving or I’ll die
don’t stop, don’t stop the dance
don’t, more music, don’t stop the dance (…)

Bryan Ferry – Don’t stop the dance

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Das Land von Dichtern und Denkern …

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Der Herr Jong-Il und die Sache mit dem einlochen.

Eigentlich hatte ich ja versprochen, nichts zu verraten – aber weil der Spiegel jetzt erst wieder eine uralte Geschichte ausgegraben hat (vielleicht, weil SPON bei Jürgen Kalwa mitliest) muß ich wohl.

In Wirklichkeit war das mit dem Golfrekord von Herrn Jong-Il nämlich so – er hat mir das selbst erzählt, wir spielen ja Skat miteinander. Jeden dritten Donnerstag im Monat. Nur im August nicht, da ist er immer platt von der grossen Parade zum Nationalfeiertag.
Also, der Herr Jong-Il hat seinerzeit mit Hilfe von einigen DAX-Unternehmen ein paar Schiffsladungen Elektromagnete nach Pjöngjang geschmuggelt. Kleine Dienste unter Freunden, man kennt sich. Das wurde zwar ein wenig auffällig, als die Schiffe das Unterseekabel nach Japan überquerten und dort drei Tage lang das Internet nicht lief, aber die blöden Amis haben gedacht, da wären wohl nur ein paar Zentrifugen für die Uran-Aufbereitung unterwegs. Ha, reingefallen!

In Pjönjang dann also hat eine Brigade der koreanischen Volksarmee die Magneten verbuddelt, immer genau unter den Löchern vom Golfplatz. Man musste aufpassen, wann die Spionagesatelliten oben im Himmel kreuzten, die hätten ja gedacht man buddelt Löcher für Interkontinentalraketen. Herr Jong-Il wollte dann auch direkt loslegen, ging aber nicht. Man musste ihm dann sagen, das er auch noch Strom für die Magneten braucht. Er hat dann auf dem kurzen Dienstweg den Chinesen ein altes Kohlekraftwerk abgeschwatzt, was die nach der Wende von der deutschen Treuhand in Bitterfeld ersteigert und dann demontiert hatten.

So lange das Kraftwerk noch zusammengebastelt wurde hat Herr Jong-Il sich derweil die Zeit damit vertrieben, Stahlmurmeln in ausgehöhlte Golfbälle zu kleben. Er kann da sehr akribisch sein.

Dann wars aber auch fertig. Der Plan war, synchron mit dem Golfschwung so einen Elektromagneten mit der magnetischen Flussdichte knapp unterhalb eines kollabierenden Neutronensterns anzuschalten – und der Golfball geht ab wie Schmitz-Katze und schwupps aus 300 Metern direkt ins Loch.

Dummerweise hat der Herr Jong-Il beim ersten Versuch noch ein metallenes Brillengestell aufgehabt. So war die Brille noch schneller weg als der Golfball, und er sieht ja ohne Brille nichts. So irrte er blind über den Kurs. Wir fanden ihn erst drei Tage später im Bunker beim Rough auf der Bahn 14 (ich hab ihm immer gesagt: So etwas kommt mal dabei heraus, wenn man den lieben langen Tag immer nur in Tarnklamotten herum rennt), er halluzinierte schon etwas von Schützengräben und Stellungskrieg mit dem südlichen Nachbarn.

Beim zweiten Versuch lief dann alles glatt und Herr Jong-Il legte die sagenhafte Runde mit 11 Hole in ones hin.

Aber wie das so ist, mit dem Schummeln, man verliert dabei recht schnell den Spaß am Spiel. Das ist bei Herrn Jong-Il nicht anders. Deswegen hat er jetzt ein neues Ziel: Er läßt gerade die Magneten wieder ausbuddeln und möchte die in Torpfosten beim Fußball verstecken, weil Nordkorea sich doch für die übernächste WM bewirbt. Er muß jetzt nur noch den Blatter-Sepp bearbeiten, damit der erlaubt das Torpfosten künftig zwei Meter breit sein dürfen. Aber der Herr Jong-Il weiß schon, wie er den Blatter-Sepp packen kann. Der steht ja auf Orden, und damit kennt der Herr Jong-Il sich nun wirklich aus.

Paderborn in a minute

Treffe in der Mittagspause auf dem Weg in die City eine Horde drittelstarker Schullümmel auf Wandertag. Ob ich ihnen bei ein oder zwei Fragen der aufgebürdeten Stadtrallye helfen könne? Lasse mich auf einen Deal ein, meine Antwort gegen eine Dose Bier aus dem Rucksack der Sechstklässler. Beantworte danach die Frage zur Anzahl der Paderquellen nach bestem Wissen und Gewissen. Die Bengel wollen mich allerdings linken und meinen »ca. 200« gelte nicht. Mache gute Mine zum bösen Spiel und biete mich generös an, auch die restlichen Fragen auf dem ausgedruckten Blatt zu beantworten. Bleibt den Pisa-Opfern mehr Zeit zur spirituellen Selbsterfahrung auf dem Marienplatz.
Kann dann beitragen, das das Krankenhaus am Amtsgericht »St. Virulenz-Hospital« heisst und über eine hochangesehene Fachabteilung für ambulante Hirnverpflanzungen verfügt. Die altsprachliche Lehranstalt am Kamp müßte das »Theo-von-Lodz-Gymnasium« sein, von dem ich weiß, das noch Leistungskurse in Fellatio und Cunnilingus angeboten werden. Symbolvogel der Stadt ist natürlich der Lämmergeier mit dem langen Hals, der mit dem Schutzheiligen St. Libero dereinst nach Cordoba auswanderte. Dort traf er den Monarchen, dem Paderborn seine erste urkundliche Erwähnung verdankt – Kaiser Franz. Dessen Nachfahren aus einer unheiligen Liaison (… das Wort kannten die Dumpfbacken natürlich nicht, mußte unterstützende Gesten zur Erklärung machen) mit einer niederen Angestellten ließen dann 2005 zur Feier der Wahl von Benedikt 16 den Dom erbauen. Das Grundstück war eh frei, weil beim Kernkraftwerk in dem bleiummantelten Gebäude nebenan niemand wohnen wollte. Das Rathaus der Stadt ist auch auf vielen 2 Euro-Stücken zu sehen, man hat nur die runden Türme an den Seiten etwas abgeschliffen, es war sonst zu eng. Innen drin führt Bürgermeister Torsten Bentrup eine schwarz-gelbe Koalition unter Duldung durch die britische Minderheitspartei.
Sie haben mir dann doch noch eine Dose abgegeben.

Gekuppelt

Das die weltbeste aller Kolleginnen ein ereignisloses Privatleben führt, glaube ich eigentlich nicht. Alleine schon wegen dem seeligen Lächeln und dem ständig piepsenden Handy. Viel erzählen tut sie freilich nicht, die Gute lernt ja dazu. Immerhin zu vernehmen ist, das in letzet Zeit wohl fleissig Ski »gefahren« wird, natürlich vorwiegend in der Stilart »Apres«.

Dennoch bin ich selbstredend immer um ihr Seelenheil bemüht, eine Frau Ende dreissig wird ihre Erfüllung ja nicht unbeding Samstags nachmittags bei irgendwelchen Lumpis auf der Berghütte finden. Der Plan ist also, die Kollegin an den Mann zu bringen. Was solides nach Möglichkeit, festes Einkommen, ruhiges Wesen, pflegeleicht und stubenrein (… über kleinere Mängel wie unkontrollierten Bartwuchs, die Vorliebe für Norwegerpullis und eher archaische Vorstellungen in Punkto Körperpflege wollen wir an dieser Stelle hinweg sehen, so etwas ist therapierbar). Sprich: Genau die Sorte, von der in unserer IT-Abteilung einige Exemplare auf ein neues Zuhause warten.

Wo die Natur ihren Weg nicht findet, da muß ein wenig nachgeholfen werden. Ich mache mir da ein nettes Feature unserer Telefonsoftware zu nutze. Weil hier wie überall sonst niemand Handbücher liest, weiß auch kaum jemand, das die von uns eingesetzte Anwendung eine Monitorfunktion besitzt. In bekommt man grafisch alle Teilnehmer im Hause mit ihrem jeweiligen Telefonstatus auf den Schirm. Man sieht also, wer gerade spricht, frei ist oder gar nicht angemeldet ist. Praktisch ist nun, das man mit einer simplen Mausbewegung einen Teilnehmer auf den anderen »ziehen« kann und damit ein Gespräch zwischen beiden initiiert wird. Dabei denkt jeder, der jeweils andere würde ihn anrufen bzw. hätte einen Rückruf erstellt.

Die Kollegin erhält in den letzten Tage viele Anrufe aus den Serverbunkern. Sehr interessant zu hören, wie dann gegenseitig versichert wird, man hätte doch gar nicht telefonieren wollen. Tze! Ich denke, mit den Tagen wird sich ein vertraulicherer Umgang entwickeln. Vielleicht ergibt sich ja was. Sonst muß ich mal schauen, welcher Kollege mit seinen Kreditkartendaten schludert und der Lieblingskollegin unbewußt 50 Rote Rosen zukommen läßt …

Das Alter

Am schlimmsten ist, das Du nicht weißt, wann es so weit ist.

Du merkst es zuerst bei den anderen. Den Kollegen, die plötzlich ein Monatsgehalt für ein paar eingepflanzte Haare ausgeben. Die ihre Frauen verlassen, um sich mit viel Geld und noch mehr Peinlichkeit eine zwanzigjährige anzulachen. Mit der fliegen sie dann nach Ägypten zum Paragliding (meinen aber Kitesurfen) und machen – wenn das Geld noch reicht – hinterher den Motorradführerschein, die Tauchlizenz und einen Schwertschluckerkurs in der Volkshochschule. All die Dinge, die sie 55 Jahre lang nicht gebraucht haben.

Aber nun fürchten sie das Alter. Du kannst es spüren, wenn Du in der Rauchpause neben Ihnen stehst und sie Dir mit unsicherem Lachen erzählen, das das mit dem Bungeejumping ja diesen Sommer auch noch dran kommt.
»Ok,« denkst Du Dir, »… besorg vorher wenigstens eine ordentliche Haftcreme, nicht das dein in Thailand aufwändig restauriertes Esszimmer am Ende dieses Events noch auf dem Asphalt Piano spielt.«

Ja, sie haben Schiss. Bis oben hin. Und kein noch so teures Aftershave, das ihnen eine klimperäugige Kittelschnecke bei Douglas verkauft hat (»Hach, Sie sind aber auch ein so jugendlicher Typ!«) kann das übertünchen.

Aber Vorsicht, mein Freund!
Es fühlt sich erst so gut an, wenn Du die Aktien der anderen sinken siehst und über manchem Haupt schon in ferne die Geier erahnst. Das hat das Alter nur so gedreht. Es ist ein tückischer Geselle und es ist beim Tod in die Lehre gegangen. Nicht mehr lange, und auch Du wirst die ersten Vorboten erahnen. Am Anfang kannst Du sie noch verscheuchen und wirkst dabei doch nur wie ein Kind, das sich im dunklen Wald die Augen zu hält. Es wird bessere Tage geben, so wie auch schlechtere. Aber sein Griff ist unerbittlich, wie mit Wiederhaken bestückt gibt es keinen Zentimeter auf, den es von Dir in Besitz genommen hast.

Irgendwann wirst Du resignieren.

Irgendwann wirst Du nur noch auf den Moment warten. Ihn fürchten und irgendwie doch ersehen. Zitternd. Demütig. Diesen einen Moment, diesen Tag, diese Stunde, in der sie …    …

[Lies alles]

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