Ein Sessel aus Plüsch und nicht ganz sechs Herrengedecke …
Gestern abend also Bloggerlesung in Paderborn. Das die Schnittmenge zwischen Web Zwo.dingens und Ostwestfalen die größte noch nicht ist zeigte sich direkt beim eintreffen – ich kam zwar auf die Minute pünktlich, es fühlte sich trotzdem an wie zwei Stunden zu früh. Schade, der Abend hätte mehr Publikum verdient, um so viel vorweg zu nehmen.
Durchs Programm führte ein gut gelaunter Herr Erdge Schoss, dem lang verschollenen Zwilling von Fabien Barthez. Dieser übergab das etwas schwach ausgeleuchte Pult sogleich an Frau von Welt, die den schwierigen Part des Openers und Anwärmers meisterhaft schulterte und von nackten Männern auf dem Flur und der im Friseursalon kennengelernten besten Freundin berichtete, die einem dann doch nur die Kerle wegnimmt. In der Folge enterte der.grob im Foo Fighters Shirt die Bühne und hatte mit Geschichten über Jungen ohne Arme, die keine Jonglierbälle wollen, Hodenohren und Weltraumschweine, die Kampfkunst des Kamasutra sowie den Fön von James Last leichtes Spiel mit dem Publikum.
Als Dritter an der Reihe dann der Taubenvergrämer, der uns eindringlich vermittelte, wie beschissen es doch ist, unverschuldet im Zeugenersatz-Austauschprogamm des BKA zu landen, was nicht weniger bedeutet als das man dem organisierten Verbrechen zum Abschuss freigegeben wird. Und wenn man dann schon einmal Pech hat, dann geht auch ein geplanter Amoklauf nicht mehr ganz so locker von der Hand, nun ja, das amüsierte Publikum weiß nun immerhin, welche Klippen es bei derartigen Unternehmungen zu umschiffen gilt. Letzter Protagonist der lesenden Zunft dann MC Winkel aus Kiel, der neben Geschichten über das Mütze/Glatze Spiel mit Yul Brunner noch einen erstklassigen Moonwalk aufs Parkett legte, fernab der Heimat seine ehemaligen Klassenkameraden outete und THC-Haltige Urlaubsgeschichten aus Südfrankreich zum besten gab.
500 Beine war leider nicht dabei, so das der folgende Beitrag dann auch schon der letzte war. Erge Schoss las hingegen nicht, er sang dafür, und zwar mit seinem Alter Ego Victor Vaudeville. Zwei Drittel seiner Band Les 3roberts waren aus disziplinarischen Gründen suspendiert, so kam die musikalische Unterstützung aus dem Rechner sowie vom verbliebenen Robert, seines Zeichens ein Meister der Stoik sowie am Bass. Geboten wurde eine schmissige Lounge-Jazz Session u.a. über Lothars Tour nach Lloret de Mar , zu deren krönendem Abschluß alle Vorführenden noch einmal die knapp bemessene Bühne enterten.
Insgesamt ein sehr gelungener Abend vor leider sehr wenig Publikum. Ich habe zwischendurch mal durchgezählt und kam auf 37 Anwesende, was jedoch das Thekenpersonal, die Vortragenden sowie die beiden Gäste am Tisch vor der Tür schon einschloß. Aus der leider zunehmend inaktiver werdenden PB-Bloggerszene waren mir nur Carola und equinox bekannt. Fremdschämen war dann angesagt, als einem zwischendurch bewußt wurde, wie viele dämlich guckende Leute durch Paderborns City laufen und scheel von der Seite in den Laden schielten (Karma-Punkte für das ältere Paar, das vom MC charmant zum Eintreten aufgefordert wurde und dann auch tapfer bis zum Schluss durchhielt). War toll, der Chef vom Cafe Central hat auch angedeutet, das so etwas in einigen Monaten noch einmal stattfinden könnte. Dann hoffentlich vor größerem Publikum.
Mehr Reviews auch aus Köln (und mit Fotos) z.B. hier.
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