Brasilien Tag 8: Ilha Grande

Dschungel, Strand und knabbernde Fische.

Nach dem Aufstehen und dem gewohnt einfachen Frühstück im Hostel waschen wir unsere Klamotten schnell einmal durch. Die Sonne scheint, es gibt nur wenige Wolken. Mittlerweile haben wir gelernt, das erst am Abend in der Dunkelheit mit Regen zu rechnen ist. Von der Straße vor dem Gebäude aus kann man die beiden höchsten Erhebungen der Ilha Grande sehen, Pico de Papagaio (959 Meter hoch) und Pico da Pedra D’Água (1031 m). Auf den felsigen Pico de Papagaio führt ein Pfad , man sollte allerdings einen Tag dafür einplanen. Zeit die uns fehlt, da wir am morgigen Samstag in Rio sein wollen. Irgendwann muß ich noch mal hierher …

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(Ilha Grande, Bundesstaat Rio de Janeiro.)

Für heute gehts zunächst runter an den Hafen von Vila do Abraão. Von da aus erst entlang der Küste, später auf schulterbreiten Pfaden durch den Dschungel zum Praia Abraãozinho. Auf den ersten Abschnitten entlang der Küste begleiten uns abwechselnd einige kleine Hunde, die die jeweiligen Strandabschnitte als ihr Revier ansehen. Später wird der Trampelpfad enger, führt steil bergauf und bergab, man muß mitunter hüfthohe Stufen überwinden, meterbreite Löcher umklettern und sich unter Ästen und Bambusstämmen unterherducken (… und sich von den Spinnennetzen fernhalten). Barrierefreien Tourismus wird es hier nicht geben, auch wenn man sich natürlich von Abraão aus per Wassertaxi an jeden Strand der Insel bringen lassen kann.

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Brasilien Tag 7: Paraty, Angra dos Reis, Ilha Grande

Reif für die Insel.

Nach zwei Tagen in Paraty brechen wir am Donnerstag früh auf zur nächsten Etappe. Die sechs Israelis sind schon unterwegs, den Raum nebenan bezieht gerade ein deutsches Paar, als wir unsere Rucksäcke schultern und uns vom Besitzer des Family House Hostel verabschieden. Auf dem Weg zum Busbahnhof gehts noch kurz in den Supermarkt, der wie überall im Land seine typischen Eigenheiten aufweist. Im Eingangsbereich finden sich mehrere Geldautomaten, im Verkaufsraum ein sehr reichhaltiges Warenangebot. Richtung Kasse geht es zu den Süßwaren, wo jetzt in der Zeit vor Ostern hunderte große eiförmige Verpackungen mit Schokolade und Bonbons von der Decke hängen. An der Kasse allerdings braucht man Geduld in Brasilien. Obwohl die Technik nicht anders ist als in Deutschland, möchte ich behaupten, das eine durchschnittliche ALDI-Kassiererin genausoviele Waren über das Band schiebt wie vier ihrer brasilianische Berufskolleginnen gemeinsam. Und die haben sogar meist noch jemanden im Rücken, der gleich hilft die Waren in – allerdings viel zu dünne – Plastiktüten zu verpacken.

Mit ein wenig Proviant versorgt begeben wir uns zum nahen Busbahnhof und lösen ein Ticket für die Linie ins knapp 100 Kilometer nordöstlich gelegene Angra dos Reis. Die ganze fast zweistündige Fahrt verläuft Hügelauf- und abwärts entlang der Küste. Nach zwei dritteln der Fahrstrecke biegt der Bus plötzlich rechts ab und passiert ein von bewaffneten Posten bewachtes Tor, das Zugang zu einem stark umzäunten Areal bildet. Innerhalb dieses Gebiets befinden sich diverse Wohnungen, aber auch Wirtschafts- oder Forschungseinrichtungen. An zwei Haltestellen nimmt der Bus Passagiere auf, bevor die Fahrt weitergeht und wir den Sicherheitsbereich wieder verlassen. Als wir kurz darauf das Kernkraftwerk Angra passieren (Brasiliens einziger kommerzieller Reaktor) wird klar, das das ganze Gelände zur Kernforschungsanlage zu gehören scheint.


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Brasilien Tag 6: Paraty – Praia da Trindade

Am Mittwoch steht nach dem gewohnt einfachen (aber kalorienhaltigen) Frühstück zunächst einmal eine kurze Wasch-Session an. Da es kaum einmal weniger als 30 Grad sind, ist eigentlich alles, was man einmal angezogen hat sehr schnell durchgeschwitzt. Gegend Mittag machen wir uns auf zum Busbahnhof im Westen von Paraty, von unserem Hostel nur ein paar hundert Meter die staubige und bucklige Parallelstraße der Hauptstraße hinunter. Eine bunt bemalte Grundschule liegt hier entlang des Weges, daneben ein Schrotthandel, dessen Inhaber mit einem Eselskarren ständig neues Material herankarrt.

Am Busbahnhof wieder das gewohnte Bild. Einige Einheimische relaxen, eine Menge Schulkinder zwischen 6 und 16 Jahren, die auf die Linienbusse warten, welche sie in alle Winkel der Region bringen. Dazu eine Hand voll Traveller und über den Köpfen die unablässig laufenden Bildschirme mit den schon gewohnten Übertragungen aus dem brasilianischen Big-Brother Camp. Wir wollen heute knapp 30 Kilometer nach Süden, zur Praia da Trindade (»Dreifaltigkeit«), wo sich einige der schönsten Strände des Landes befinden sollen.


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(Google Maps kennt keine Straße nach Trindade, der Strand befindet sich in der Bucht ca. einen Zentimeter süd-östlich von “B”)

Der Bus läßt auf sich warten. 10 Minuten nach der geplanten Abfahrtzeit spricht uns ein junger Brasilianer an, der zusammen mit seiner kanadischen Freundin unterwegs ist. Die beiden wollen auch nach Trindade, ob man sich ein Taxi teilen solle, falls der Bus nicht käme? Wir beschließen, dem Wagen der Gesellschaft Colitur noch ein paar Minuten Zeit zu geben. Als wir ins Gespräch kommen und die Kanadierin erfährt, das wir Deutsche sind, fragt sie uns, ob wir schon vom Amoklauf in Deutschland gehört hätten? Es ist der 11. März, rund 6-8 Stunden zuvor hat der 17 jährige Täter in Winnenden 15 Menschen ermordet und danach sich selbst getötet.
Es ist schon verrückt. Da reist man um die halbe Welt und hört sich im Vorfeld zu Hause viele gute Ratschläge an, das man im gewalttätigen Brasilien bloß vorsichtig sein soll. Und dann dreht zu Hause wieder einer durch.

Wenige Minuten später kommt der Bus dann doch, zusammen mit einer Horde Schulkinder in ihren einheitlichen grauen T-Shirts mit blauer Beschriftung entern wir das Gefährt und quetschen uns durch das typische warnrot lackierte und schwergängige Drehkreuz hinter dem Einstieg, durch das ich mit meinen knapp 85 Kilo schon nur noch mit Mühe komme. Beleibtere Personen müssen wahrhafte Akrobaten sein, um in Brasilien Bus fahren zu können. Anders als in den Großstädten, in denen noch ein Ticketverkäufer an Bord ist, bleibt der Fahrer hier auf sich allein gestellt.

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Brasilien Tag 5: Paraty

Rumble in the jungle.
(… Nachfolger zu diesem Eintrag. Wird Zeit, das langsam mal zu komplettieren.)

Nach einer eher unruhigen Nacht, die komplett vom durchlaufenden Fernseher im Rezeptions-Wohnzimmer begleitet wird, wollen wir am Dienstag in aller früh aufbrechen, um uns eine etwas passendere Unterkunft zu suchen. Da haben wir allerdings die Rechnung ohne den betagten Herbergswirt gemacht, der aus einem Zimmer kommt, das bis unter die Decke mit alten Fernsehern vollgestellt ist. Ebenso wortreich wie unverständlich, die Aussprache der Brasilianer ist zumeist wirklich kryptisch, bittet er uns zum Frühstück. Das fällt wieder landestypisch aus, Brötchen, gesalzene Butter, ein paar Früchte, Marmelade und unglaublich süßer Kuchen, Ameisenstraße über den Tisch inklusive.

Im Ort mangelt es nicht an teuren Luxusherbergen, Budgetunterkünfte sind schwieriger zu finden. Das dem offiziellen Jugendherbergsverband angeschlossenen Paraty Hostel sieht klasse aus, beherbergt dutzende Backpacker und hat Internet – leider sind nur noch Betten in den Schlafsäälen frei. Und die sind nach Geschlechtern getrennt. Auch kein Glück haben wir beim nächsten Versuch in einem von einem deutsch sprechendem Belgier geführten Hostel. Zwar wäre etwas frei, das Zimmer sieht auch ok aus, aber zwischen den Zeilen läßt der Belgier durchblicken, das er es ganz gerne hätte, das man abends zeitig im Hostel ist, damit er die Tür schließen kann. Nicht unsere Vorstellung von Freiheit.

So quartieren wir uns letztlich in einer kleinen Pousada ein, in der ein junges brasilianisches Paar sieben Zimmer in buntesten Farben vermietet. Kurz nach uns werden drei weitere Zimmer von einer Gruppe Israelis belegt, die seit sechs Wochen in Südamerika sind und nach Chile und Argentinien nun das südliche Brasilien erkunden »I can’t get it – anywhere you go in south-america – you’ll always meet israelis and germans!« meint einer grinsend zu mir. Gemeinsam schauen wir nach, was man am Nachmittag unternehmen könnte. Schnell fällt die Entscheidung auf Cachoeira Toboga, eine natürliche Wasserrutsche im hügeligen Dschungel, ca. 15 Kilometer landeinwärts.

Mit dem Bus, gesteuert von einem stolz seine blaue Uniform tragenden ›Motorista‹ geht es raus aus Paraty, vorbei an einem »Sao Paulo -links, Rio de Janeiro -rechts«-Verkehrsschild gerade aus ins Hinterland. Ruck zuck windet sich die Straße um steile Hügel herum, durchquert einen kleinen Ort, um danach noch tiefer in den atlantischen Regenwald einzutauchen. An der »Kirche auf dem Felsen« sollten wir aussteigen hatte man uns gesagt – ein unübersehbarer Ort, wie wir feststellen.

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Portugal

Bevor der Sommer wieder vorbei ist habe ich noch mal den Rucksack gepackt und eine Woche in Portugal verbraucht, Lissabon und Umgebung sowie ein wenig Algarve. Ich hoffe, ich schaffe es beizeiten, dazu noch ein wenig zu schreiben. Vorab erst mal ein paar Impressionen.

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Brasilien Tag 4: Sao Paulo – Ubatuba – Paraty

Busfahren, warten und Big Brother.

Am Montag morgen heisst es fürs erste, Sao Paulo den Rücken zu kehren. Wir haben uns entschlossen, per Bus ins knapp 300 Kilometer entfernte Paraty zu fahren, einer alten Kolonialstadt an der Atlantikküste, ca. auf halben Wege zwischen Sao Paulo und Rio de Janeiro gelegen.

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Die meisten Inlandsverbindungen in starten am Terminal Tiete nördlich des Zentrums, einer Metrostation mit angeschlossenem Busbahnhof, in Brasilien »Rodoviário« genannt. Aus 80 Haltebuchten verbinden hier Fernreisebusse Sao Paulo mit weiten Teilen des Landes. Über 30 Gesellschaften bieten ihre Dienste an, mit modernen Reisebussen, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen (… nicht täuschen lassen – die Fernreisebusse haben ganz andere Standards als die in Sao Paulo verkehrenden Linienbusse). Die Fahrzeuge der Marke »Busscar« sind dabei meist veredelte Mercedes-Modelle, vereinzelt trifft man auch Volvos an.

Eine direkte Tour nach Paraty geht erst am späten Nachmittag, weshalb wir zunächst eine Passage nach Ubatuba buchen, ein beliebter Ferienort, in dem die betuchteren Einwohner Sao Paulos gerne ihre Ferien verbringen. Auch hier bliebt noch eine Stunde Wartezeit im Terminal, das wie fast alle dieser Art in schlichter Betonfertigteile-Ästethik erstellt ist. Wir lassen einen unglaublich schlechten Cappuccino stehen (Wasser und Pulver ungefähr zu gleichen Teilen …) und überbrücken die Zeit bis zur Abfahrt in einem Internetcafe.


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Brasilien Tag 3: Sao Paulo

Viel Stadt, etwas Japan und ein bisschen Enttäuschung.

In der Nacht zum Sonntag wundern wir uns , das in der Ave. Sao Joao auf dem Weg zu unserem Hotel hunderte von Punks, Metalfans und Grableuchten Goths die Strasse säumen. Ob in der Nähe ein Konzert statt findet? Im knarzenden Fahrstuhl im Hotel begegnet uns der Argentinier aus dem dritten Stock, der sich anständig einen genehmigt hat. Schuld an seinem etwas derangierten Zustand ist aber natürlich nicht der Alkohol. »Can you belive it? I came from Argentina to Sao Paulo and now i’ve got the fuckin`flu from the air-condition! Man, can you believe it?«

Am Sonntag morgen zieht es uns zunächst zur Praca Republica, an der um diese Zeit ein Kunsthandwerksmarkt statt findet. Man bekommt allerlei einheimisches Zeuges, von denen mich besonders einige Malereien interessieren, weil diese am wenigsten nach industrieller Massenproduktion ausschauen. Wirklich brauchen tue ich aber nur eine Kopfbedeckung, die meinen arg strapazierten Nacken schützt. 10 Uhr morgens und 30 °C im Schatten. Ich wollte ja nach Norwegen …
Junge Hunde stehen übrigens auch zum Verkauf.

In der U-Bahn geht es dann von Republica zur südlichsten aller Haltestellen, der Station Jabaquara. Es folgt – zu meiner persönlichen Schande vorweg – der programmatisch grösste Schlag ins Wasser der gesamten Tour. Ich hatte gelesen, das der Zoo von Sao Paulo einen Besuch wert sei. Als grösster Zoo Brasiliens und viert- oder fünftgrößter der Welt seien hier über 3000 Arten zu sehen, eingebettet in ein eindrucksvolles Überbleibsel des atlantischen Regenwaldes.

Zunächst muß man aber erst mal hin kommen. Eigentlich fahren von Jabaquara spezielle Shuttlebusse zum Zoo, dafür muß man sich jedoch in ellenlange Schlangen einreihen (was Brasilianer quer durch alle Gesellschaftsschichten sehr diszipliniert erledigen). Wir beschließen, lieber auf eigene Faust dort hin zu gelangen, werden vom Sicherheitspersonal jedoch am Verlassen des Bus-Terminals gehindert. Zwar braucht man nur zehn Meter um eine Zaunecke zu gehen, um auf der Straße zu stehen, jedoch verbietet an dieser Stelle ein Schild das betreten der Bus-Spur, auch wenn der nächste noch gar nicht in Sicht ist. So egal ihnen rote Ampeln sind, hier verstehen sie keinen Spaß, wir müssen zurück durchs ganze Terminal, um dort durch den Ausgang raus zu gelangen.

Auf der Straße schnappen wir uns dann ein Taxi, erfragen den ungefähren Preis zum Zoo und kommen für etwa das doppelte hin, Stadtrundfahrt durch einige eher zwielichtige Viertel inklusive. Der Fahrer spricht – wie 99 % seiner Kollegen – ausschließlich das sehr breite brasilianische portugiesisch und betreibt in einer Tour Werbung für diverse Samba-Schuppen, deren Flyer er uns zum Abschluß noch in die Hand drückt.

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