Worst of Nebenjob, Ferienjob, Schülerjob und »Scheissjob den kein anderer machen wollte«:
1. Im Betonwerk
(… drei Wochen im Juli 1990)
Der übelste Knochenjob in meiner Sammlung. Die Aufgabe von zwei Mitjobbern und mir war es, bei brütenden Temperaturen in einen riesigen, gepflasterten Lagerplatz einen einen Meter breiten, zwei Meter tiefen und etwa 70 Meter langen Schacht für eine Drainage zu buddeln. Von Hand wohlgemerkt, mit Spitzhacke und Schaufeln. Irgendwie wurden wir trotzdem nach zwei Wochen fertig. Ich hatte so dick Hornhaut an den Händen, das ich in jenem Sommer keine Grillzange zum Würstchenwenden brauchte.
Danach gab es noch eine Woche lang Spaß mit einem wahren Maschinenmonster, das Moniereisen für die herzustellenden Betonplatten abkappte. Ich stand am einen Ende und hatte die zentimeterdicken Eisenstäbe nachzuschieben. Jedesmal wenn die Maschine dann die Eisen durchtrennte bekam ich von dem Metallstab einen fiesen Schlag in die Hüfte. Nach einer Woche pisste ich Blut, hatte dafür aber die Nehmerqualitäten eines Boxweltmeisters.
Das alles für 9 Mark die Stunde und jeden Morgen 20 Kilometer mit dem Fahrrad hin. Und abends die selbe Strecke zurück.
2. Messedienst
Um Abmahnungen zu vermeiden keine genaueren Namens- nennungen. Zum Ausklang des alten Jahrtausends verdingte ich mich nebenher über eine Personalagentur in verschiedenen Tätigkeiten auf diversen Messen. Eklig wurde es, wenn der Job bei Publikumsmessen in einem Imbissstand stattfand. Ein ernst gemeinter Ratschlag: Nienienie auf einer Großveranstaltung Grünkohl oder Paella verspeisen! Man glaubt gar nicht, was für Tricks manche Leute drauf haben, um die seit drei oder vier Tagen in den den Töpfen und Pfannen kokelnde Waren noch unters Volk zu bringen …
3. Im Baumarkt
Zu Abiturzeiten jobbte ich nebenher als Mädchen für alles in einem hier nicht näher spezifizierten Baumarkt. Eigentlich ein recht lockerer Job, Waren mit dem Hubwagen durch die Gegend fahren, Regale einräumen etc., nur die Bezahlung stand nicht zum besten.
Scheiße – und zwar in des Wortes reinster Bedeutung – wurde der Job nur dann, wenn mal wieder ein Tippelbruder über die Nacht sein Lager auf dem Hof in der Ausstellung für Gartenhäuser bezogen hatte. Da gab es nämlich einige, die auch gleich noch ihr Geschäft in der Kiefernbutze erledigten. Man braucht nicht lange fragen, wer das dann wegmachen durfte, oder?
(… es gibt übrigens einige Kunden im Landkreis, die ein »preisreduziertes Ausstellungsmodell« im Garten stehen haben. Da würde ich aber nicht vom Boden essen.)
4. Lebensgefahr im Stahlbau
Mein erster ›richtiger‹ Ferienjob hätte mich 1989 beinahe an einem Tag dreimal das Leben gekostet. Ich war für einige Wochen in einem Stahlbaubetrieb beschäftigt, der sich auf Hebebühnen und Fördertechnik spezialisiert hatte. In der letzten Woche meiner Tätigkeit hatten wir einige unserer Bauten in einer Veranstaltungs- halle einer weiter entfernten westfälischen Stadt zu installieren.
Als ich dort eine Flex in den Baustromverteiler einstöpseln wollte übersah ich, das jemand den Pol eines Schukosteckers in der Dose abgebrochen hatte. Ich rutsche beim einstecken somit ab, geriet an den leitenden Pol und nahm eine volle Ladung 230 Volt.
Davon völlig benebelt taumelte ich durch die Halle und lief schnurstacks auf eine 6 Meter tiefe Öffnung für einen Transportaufzug zu, die nur notdürfig durch einige Schalungsbretter gesichert war. Als ich merkte, wo ich stand war es schon beinahe zu spät, ich surfte gerade auf der Kante eines der Bretter, das sich unter mir bereits zum Kippen neigte. Im letzten Moment packte mich noch ein Kollege am Kragen zog mich zurück.
Am selben Tag ist dann noch ein an eine Wand gelehnter Stahlträger umgefallen. Der verfehlte zwar gnädigerweise meinen Kopf, sämtliche Schutzengel hatten jedoch spätestens zu diesem Zeitpunkt wegen akuter Überlastung die Arbeit eingestellt. So knallte mir das Teil auf die rechte Hand und zerriss mir die Sehne zum Daumen in der rechten Hand. Im Krankenhaus vor Ort wäre ich dann beinahe verblutet, weil mir ob der Erlebnisse dieses Tages partout nicht mehr der Name meiner Krankenkasse einfallen wollte. Und ohne den Papierkram geht ja offenbar nix.
5. Linienrichter in der Bezirksliga
(… irgendwann Ende der achtziger)
Wie jeder ordentliche Junge hab ich von Kindesbeinen an im Verein Fußball gespielt (… in Wahrheit wollte ich damals zu meinem Kumpel in den Leichtathletik-Verein. Hab mich aber im Sportplatz geirrt uns so haben sie mich gleich in der E-Jugend der Fußballabteilung dabehalten.)
Jahre Später klopfte ich dann in der Blüte meiner Adoleszenz an die Tür zur 1. Seniorenmannschaft und stand Wochenende für Wochenende am Platz oder fuhr mit der Mannschaft im Bus zu den Auswärtsspielen.
»Wenn’de schon mal dabei bist kannste auch gleich den Linienrichter machen!« beschloß dann eines Tages unser Platz- und Zeugwart in Personalunion, der eigentlich selbst für diesen Job vorgesehen war. Als Entlohnung wurde mir die spieltägliche Teilnahme am abendlichen Mannschaftsessen im Vereinslokal (inkl. Stiefelsaufen) in Aussicht gestellt.
Nun darf man nicht den Fehler machen, zu denken, das ein Linienrichter (nein, damals sagte man noch nicht ›Schiedsrichterassistent‹) seinerzeit unparteisch sein musste/durfte. Im unterklassigen Fußball gab es nur einen vom Verband gestellten Schiedrichter (übrigens ein Job für bekennende Masochisten), die Tätigkeit der Linienrichter wurde unter der Heim- und der Gastmannschaft aufgeteilt. Einer auf jeder Seite des Platzes. Eigentlich sollte man nur anzeigen, wenn der Ball die Seitenauslinie überschritten hatte und es dem Schiri überlassen, wem denn nun der Einwurf zugesprochen wurde. In der Praxis wurde an der Linie natürlich gewinkt was das Zeug hielt. Ob ein Ball aus war oder eben nicht, das hing extrem davon ab, wer zuletzt am Ball, oder gerade aussichtsreich im Angriff war.
Bei einem Spiel in der Provinz von der Provinz (für Ortskundige: in Kleinenberg) habe ich es dann dahingehend übertrieben, das ich die Fahne schon hob, wenn ein gegnerischer Spieler mit dem Ball am Fuß noch einen halben Meter feldeinwärts von der Linie entfernt war. Andersherum verbreiterte sich das Spielfeld auch schon mal einen Meter, wenn meine Mannschaft angriff. Als aus einer solchen Situation auch noch das Siegtor für uns entsprang wäre daraus im ein Haar ein kapitaler Lynchmord entstanden, als der geifernde Mob hinter mir die Spielfeldbanden stürmte. Auf der Heimfahrt flogen dann noch ein paar Steine gegen den Buss.
Die Linienrichterei haben ich dann anschließend an den Nagel gehängt, weil man mir keine adäquate Gefahrenzulage oder wahlweise Personenschutz bewilligen wollte.
(… das damals ein gewisser Robert H. an im Publikum stand und sich von mir für spätere (Un)Taten inspirirern ließ blieb bis heute unbewiesen. Man könnte aber auch nicht das Gegenteil beweisen.)
Zum Schluß natürlich wieder die Frage an euch:
Was waren eure beschissensten Jobs?
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