Elektronik für den Balkan

Lieber Kunde,

das war mal ein wirklich angenehmer Termin! Dafür möchte ich Dir danken. Ok, Du hattest Dir dein System gründlich zerschossen und bist dabei akribisch bis in Bereiche vorgedrungen, die man eigentlich gar nicht finden kann (… auch dafür meinen Respekt!).
Aber – und das rechne ich Dir hoch an – Du hast nicht versucht, fadenscheinige Entschuldigungen zu finden, Dich herauszureden oder anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Nein, Du hast es getragen wie ein Mann, warst sofort bereit die Rechnung zu bezahlen und zeigtest Dich kooperativ.

Wirklich, diese Begeisterung, als sich langsam wieder das eine ins andere fügte, der beinahe kindliche Enthusiasmus, als die Prozeßkette nach und nach ins laufen kam – das hatte etwas ungeheuer inspirierendes. Ich weiß wovon ich rede, denn ich erlebe das nicht oft.
Immerhin, für Dich stand viel auf dem Spiel, es ging um Stunden, nicht um Tage, ich hätte auch verstanden, wenn Du aufgrund der angespannten Lage mißmutig und zerknirscht aufgetreten wärest. Nun gut, es hat geklappt und das Leuchten in Deinen Augen, als alles just-in-time wieder lief und das Geschäft abgewickelt werden konnte war eigentlich schon Lohn genug macht es für Dich nicht billiger, ist aber auch mal schön zu sehen.

PS: Eines noch:
Ich weiß, die Gefühle können mit einem durchgehen, wenn man die Bestätigung bekommt, das ein Abschluß über einen sechstelligen Betrag erfolgreich war. Ehrlich, da habe ich Verständnis.

Trotzdem: Starte nie, niemals wieder auch nur den Versuch einer Andeutung, mich im Überschwang auf die Wange zu küssen. Allein das ist strafbar!
Beim nächsten Mal weiche ich nicht nur einfach aus …

Brennender Zorn

Seit den Morgendstunden berichten diverse Medien, das im Mordfall der kleinen Kardelen aus Paderborn ein Durchbruch erreicht sei. Ein mutmaßlicher Täter aus dem nachbarschaftlichem Umfeld sei ermittelt und befinde sich auf der Flucht. Entsprechende Gerüchte gehen seit einigen Tagen in der Stadt umher.

Die Neuigkeiten sind natürlich das Top Thema, auf den Fluren in der Firma, beim Kaffee in der Kantine. Und wie immer sind die unvermeidbaren Stimmen wieder zu hören: »Mit dem Täter und einer Kettensäge wäre ich gerne mal allein!« posaunt einer heraus, während an anderer jetzt schon weiß Â»â€¦ der kommt doch nur wieder ein paar Jahre in die Psychatrie und dann ist er wieder frei!« »Gleich kurzen Prozess machen.« murmelt eine Kollegin, die mir bei einem Gespräch vor Wochen beschied, ich könne in einem solchen Fall gar nicht mitreden. Ich hätte ja keine Kinder und wüßte nicht, wie man da fühle. Sie wäre ja auch nicht für die Todesstrafe, »… aber ein solches Monster soll leiden, leiden, leiden.«

Bei meinem Stammitaliener haben sie am frühen Nachmittag das Radio lauter gedreht und lauschen den Neuigkeiten der Pressekonferenz. Auch hier sind sie jetzt schon sicher, das die deutsche Justiz zu lasch sein wird. Schnell kriegen sollen sie den mal, oder am besten gar nicht zugreifen, damit die Angehörigen das gleich selbst regeln können. In der Türkei, wohin der mutmaßliche Täter wohl geflohen ist, oder hier.

Ich kann verstehen, das man erleichtert ist, das der Täter gefunden scheint. Bin ich selbst. Ich kann das ohnmächtige Gefühl der Wut nachvollziehen, das einen angesichts solcher Fälle packen kann. Ich bin auch der Auffassung, das ein überführter Täter eines solchen Verbrechens lebenslang von der Gesellschaft fern gehalten werden muß (… ein Einwand, der gerne ökonomisch motivierte Reaktionen auslöst, man bedenke doch nur, wie viel Geld eine Sicherheitsverwahrung koste, dann doch lieber eine günstige Hnrichtung …).
Ich weiß, das man bisweilen mehr sagt, als man tut (… viel öfter allerdings auch mehr denkt, als man sagt). Ob all die erregten Stimmen tatsächlich Hand an den Täter anlegen würden, wenn man sie denn ließe, das wäre sicherlich eine ganz andere Frage.

Ein wenig bezeichnend ist aber doch, wie schnell unsere Fassade Risse bekommt und rechtstaatliche Prinzipien in Frage gestellt werden. Es ist ein hohes Gut, das wir über eine Gewaltenteilung verfügen und – zumindest im Idealprinzip – über eine unabhängige, neutrale Justiz, die nicht von Rache motiviert ist. Auch das ist ein Teil der Freiheit, die wir alle hier genießen und die wir an anderer Stelle – wenn es etwa um Meinungsfreiheit geht, um staatliche Willkür oder die Ausuferung der ständigen Überwachung bis in privateste Bereiche hinein – zu schützen trachten.

Demokratie ist nicht einfach, rechtstaatlichkeit auch nicht. Ich lebe trotzdem lieber in diesem System, als in einem in dem ein Prinzip der Vergeltung regiert, das Gesetz des stärkeren oder ein alttestamentarisches »Gleiches mit Gleichem«. So wie ich das sehe, gibt es genügend Orte auf der Welt, wo das Leben mehr oder weniger nach diesen Regeln verläuft. Das die Probleme damit besser gelöst sind, kann ich nicht entdecken.

Gekuppelt

Das die weltbeste aller Kolleginnen ein ereignisloses Privatleben führt, glaube ich eigentlich nicht. Alleine schon wegen dem seeligen Lächeln und dem ständig piepsenden Handy. Viel erzählen tut sie freilich nicht, die Gute lernt ja dazu. Immerhin zu vernehmen ist, das in letzet Zeit wohl fleissig Ski »gefahren« wird, natürlich vorwiegend in der Stilart »Apres«.

Dennoch bin ich selbstredend immer um ihr Seelenheil bemüht, eine Frau Ende dreissig wird ihre Erfüllung ja nicht unbeding Samstags nachmittags bei irgendwelchen Lumpis auf der Berghütte finden. Der Plan ist also, die Kollegin an den Mann zu bringen. Was solides nach Möglichkeit, festes Einkommen, ruhiges Wesen, pflegeleicht und stubenrein (… über kleinere Mängel wie unkontrollierten Bartwuchs, die Vorliebe für Norwegerpullis und eher archaische Vorstellungen in Punkto Körperpflege wollen wir an dieser Stelle hinweg sehen, so etwas ist therapierbar). Sprich: Genau die Sorte, von der in unserer IT-Abteilung einige Exemplare auf ein neues Zuhause warten.

Wo die Natur ihren Weg nicht findet, da muß ein wenig nachgeholfen werden. Ich mache mir da ein nettes Feature unserer Telefonsoftware zu nutze. Weil hier wie überall sonst niemand Handbücher liest, weiß auch kaum jemand, das die von uns eingesetzte Anwendung eine Monitorfunktion besitzt. In bekommt man grafisch alle Teilnehmer im Hause mit ihrem jeweiligen Telefonstatus auf den Schirm. Man sieht also, wer gerade spricht, frei ist oder gar nicht angemeldet ist. Praktisch ist nun, das man mit einer simplen Mausbewegung einen Teilnehmer auf den anderen »ziehen« kann und damit ein Gespräch zwischen beiden initiiert wird. Dabei denkt jeder, der jeweils andere würde ihn anrufen bzw. hätte einen Rückruf erstellt.

Die Kollegin erhält in den letzten Tage viele Anrufe aus den Serverbunkern. Sehr interessant zu hören, wie dann gegenseitig versichert wird, man hätte doch gar nicht telefonieren wollen. Tze! Ich denke, mit den Tagen wird sich ein vertraulicherer Umgang entwickeln. Vielleicht ergibt sich ja was. Sonst muß ich mal schauen, welcher Kollege mit seinen Kreditkartendaten schludert und der Lieblingskollegin unbewußt 50 Rote Rosen zukommen läßt …

P52: Kirchen

(Klick zum vergrößern)

Projekt 52 : Thema 04/2009

Kurzschlüsse VIII:

Hausinterne Beobachtungen:
Bei der Betrachtung des Zustandes des Firmennetzwerkes zum einen, sowie des Reinheitsgrades der Herrentoiletten zum anderen drängen sich zwei Schlüsse auf.

  1. Die Computertechnik ist sperrig, arbeitsintensiv und ein Stück weit nebulös, aber unter aufopferungsvollem Einsatz zumindest tendenziell beherrschbar.
  2. Der Gebrauch von Klobürsten stellt den gemeinen XY-Chromosomenträger hingegen unzweifelhaft vor Aufgaben, denen er schlichtweg nicht gewachsen ist. Hier bleibt nur die Hoffnung auf einen schlaghaften Evolutionssprung oder das eingreifen einer höheren Intelligenz (Ausserirdische/Frauen).

***

Usability-Problem bei ups.com . Ich meine, wenn auf der »UPS InfoNotice« nur lose angerissen wird, man könne eine ›Zustelländerung‹ über die Sendungsverfolgung vornehmen, dann wäre es zumindest klasse, wenn die Suchfunktion der Seite das Wort ›Zustelländerung‹ überhaupt kennen würde.

***

Frau Budenzauberin taut auf. Ähh, ab! Und setzt sich dabei tückischen Gefahren aus.
Wenn es ums abtauen geht, erinnere ich mich an einen Ex-Kollegen. Junggeselle, damals Ende 30. Als er einen Job in Süddeutschland fand, halfen wir gerne beim Umzug. Und bekamen es dabei auch mit einen Kühlschrank zu tun, dessen Gefrierfach so dicht war, das sich noch genau zwei kleine überbackene Bistro-Baguettes zwischen das Packeis stecken ließen.
Allerdings nur ohne Verpackung.

Counter Investigation

Counter InvestigationDas Leben des Polizisten Richard Malinowski zerfällt in Stücke, als seine kleine Tochter vergewaltigt und getötet wird. Unter verbissener Anstrengung des Polizeiapparates wird schnell ein Tatverdächtiger ermittelt und aufgrund der Indizienlage zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Doch es bleiben Zweifel. Das möglicherweise unter Druck entstandene und später widerrufene Geständnis, fehlenden eindeutige Beweise. Von Verlust und Selbst- vorwürfen getrieben verzweifelt Malinowski zusehends, bis er eines Tages Briefe vom vermeintlichen Täter erhält, in welchen jener weiterhin seine Unschuld beteuert. Malinowski beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

Ich bin gewissermaßen ein Freund des französischen Kinos, weil einem dort häufiger unverbrauchte Typen in nicht so stereotypen Rollen begegnen. Das macht die Filme für mich authentischer und lenkt den Fokus auf die Handlung. »Counter Investigation« basiert auf einem Werk des amerikanischen Kriminalautors Lawrence Block. Zum Vorteil wird hier, das es sich bei dem zu Grunde liegenden Stoff um eine Kurzgeschichte handelt, was den Film davor bewahrt, eine zu komplexe und ausschweifende Handlung transportieren zu müssen. Die Story bleibt straight, verzettelt sich nicht in Nebensächlichkeiten und nimmt sich der schweren Thematik auf mehreren Ebenen an. Jean Dujardin vermittelt die mit brenndem Eifer gepaarte Ohnmacht des Vaters genau so überzeugend, wie Agnes Blanchot die eher stille, zurückgezogene Trauer der Mutter. Die unterschiedlichen Reaktionen auf den Verlust der Tochter drängen sich mehr und mehr zwischen die beiden.

[Lies alles]

Kurzschlüsse VII

Gibt es um die Jahreszeit eigentlich schon 5-Euro Grills im Baumarkt? Sonntag ist SuperBowl-Nacht. Genau die richtige Gelegenheit, um ein paar Kumpels einzuladen und die Grillsaison zu eröffnen. Und kein Nachbar weit und breit, den das an einem Montag um halb drei in der Früh stört.

***

Der Kunde hat noch einen Spezialauftrag. Knapp 50 Erfassungsmasken, die ins neue System portiert werden sollen. Die Masken hat er selbst erstellt. Alles HTML. Aus dem Word-Export …

***

Gestern vor mir in der Videothek. Ein Milchbart leiht sich drei Playstation-Spiele aus. Als ihm die ›Teilzeitkraft-mit-der-Bereitschaft-für-ungewöhnliche-Arbeitszeiten‹ die Hüllen gegeben hat beugt er sich vor:

Er: (hüstel) »Haben Sie eigentlich auch indizierte Spiele hier?«
Sie: (ahnungslos) »Hä? Was?«
Er: »Indizierte Spiele.«
Sie: »Was ist das?«
Er: (noch leiser) »Na, so … Sachen, die Sie nur unter der Ladentheke rausgeben.«
Sie: (geht einen Schritt zurück, guckt unter den Tresen) »Da ist nichts. Wenn da was wäre, dann wüßte ich das!«
Er: (resigniert) »Ähh, danke. Schon gut«

***

Ist Teletext/SMS-chatten eigentlich die Ersatzdroge für diejenigen, die sogar zum computern zu blöd sind?

Pages: « 1 2 3 ...8 9 10 11 12 ...80 81 82 »

Theme Switcher

Galleries

Jüngste Blogposts mit Bildergalerien:

Letzte Tweets:

Posting tweet...

September 2010
M D M D F S S
« Dez    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  

Archiv