Top 5: Die überflüssigsten Höflichkeiten
5. • Leute, die sich nicht einig werden, wer denn jetzt im Restaurant bezahlen kann. Oder darf. Oder muß. »Ich zahle!« - »Nein, ich!« – »Ich bestehe aber darauf!« Ja los, duelliert euch. Das hätte wenigstens Unterhaltungswert, im Gegensatz zu dieser pseudohumanistischen Vortrittlasserei, die nur Zeit frisst. Gibts im kleineren Maßstab auch beim Bäcker oder Fleischer, wenn es darum geht, wer denn als nächster ist.
4. • Mail-Geschwafel. Ich bekomme täglich zwei Meter hoch Mails mit kurzen Infos oder Bearbeitungshinweisen. Was wäre das toll, wenn nicht noch so viel Kappes drumherum getextet würde. Es geht dabei um Effektivität. Blumige Grußformeln mag ich vielleicht in meiner Geburtstagspost, aber nicht in beruflichen Dingen. Und die » … sonnigen Grüße aus Arschkratzensdorf « können auch gerne dort stecken bleiben.
3. • Einstudierte Telefon-Begrüßung-Sermons. »Kniepig & Klamm Versicherung, Abteilung Schadensregulierung, mein Name ist Hohenstein-Gerstkämper, ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag, was darf ich für Sie tun?« Ja, danke, hat sich schon erledigt. Wenn man irgendwo anruft ist einem doch eigentlich ungefär klar, wo man landet. Und was man da will. Da würde es doch eigentlich reichen, wenn der angesprochene sich mit Firmenname und Name meldet, von mir aus auch noch »Guten Tag!« aber dann langts doch auch.
2. • Überzogene Verabschiedungsformeln. Kennt vermutlich jeder, der mal irgendwie im Dienstleistungssektor beschäftigt war. Das geht Freitagmorgends mit denen los, die »… und dann schon mal ‘nen schönes Wochenende« wünschen. Ganz großartig. Diejenigen, die Samstags auch noch arbeiten müssen stehen da besonders drauf. Richtig schlimm wird es dann regelmäßig vor Feiertagen. »Frohe Ostern!« oder »Angenehme Feiertage, ein frohes Fest noch!« ist nett gemeint, erzeugt aber speziell zu Weihnachten regelrechten Brechreiz, weil man es einfach nicht mehr hören kann. Und dann stehen ja auch schon diejenigen bereit, die noch »… einen guten Rutsch« anbringen müssen. Man ist mitunter geneigt, im Dialog mit der Jahreszeit einen wohlwollenden Rundumschlag mit der Schneeschippe oder einem anderen saisonal verfügbaren stumpfen Gegenstand auszuführen.
1. • Türen aufhalten. Insgeheim vermutlich einer der größten Feinde produktiver Volkswirtschaften, jedenfalls weit vor chinesischer Industriespionage oder Boni-geilen Investmentbankern.
Ich meine – jeder Mensch geht unterschiedlich schnell. Okay, kein Problem. Das gibts erst dann, wenn die, die schneller gehen dafür an der nächsten Tür stehenbleiben, um dem nachfolgenden die Pforte aufzuhalten. Wäre ja unhöflich, diese zufallen zu lassen!? Mitnichten. Vermutlich werden täglich Millionen Minuten Arbeitszeit damit verbrannt, das irgendwelche Leute Türen aufhalten, weil zehn Meter dahinter einer angeschlichen kommt, dem die Anstrengung der selbstständigen Türöffnung schon aus therapeutischer Sicht zu gönnen wäre. Besser selber mal die Klinke drücken, als gar kein Sport.
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