Rearview

Bevor ich es wieder vergessen habe noch ein kurzer Abriss der DVDs, die zuletzt wieder zurück an den Verleiher gegangen sind. Keine Haftung für eventuelle Spoiler.

Diary of the dead

Diary of the deadFilme in diesem pseudodokumentarischen Handkamera-Stil a’la »Blair witch project« oder »Cloverfield« haben es bei mir normalerweise nicht einfach. Das war bei »Diary of the dead« zunächst nicht anders, zumal George A. Romeros Streifen gerade in der Einführung viel guten Willen und Durchhaltevermögen verlangt. Die eröffnende »Studenten-drehen-C-Horror-Movie-im-Wald«-Sequenz kann einen auch leicht auf dem falschen Fuß erwischen so das man meint, eines bislang gnädigerweise verschollenen Uwe Boll Frühwerkes ansichtig zu werden. Irgendwie bekommt der Streifen dann aber den Dreh und entwickelt sich zu einem Zwitter aus Zombie- und Roadmovie, der es gar nicht erst mit großem Story-Unterbau und den Fragen nach dem Grund für die Zombie-Invasion aufhält, sondern simpel den Versuch eines Trüppchens Überlebender (= die Studenten-Filmcrew samt Professor, die in einem alten Bus zu Ihren Familen durchdringen wollen) beschreibt, die sich in die vermeintliche Sicherheit zu flüchten versuchen. Die beiläufig auftretende Betrachtung zur Frage, wie sehr Medien selber das Ereignis gestalten, von dem sie berichten, dient dabei mehr der Entwicklung der Handlung als zur ernsthaften Medienkritik, die im Kontext des Genres auch arg daneben wäre.
Kann man sich mal ansehen, wer es nicht tut hat – ausser ein paar doch sehr schwarzhumorischen Einlagen (Amish-People!) – auch nichts verpasst.

The strangers

The strangersDer kurze Kommentar meiner mit-Film-Seherin drückt es eigentlich schon komplett aus: »Langweiliger Anfang, bescheuerte Dialoge, keine Story, doofer Schluss.« Woher dieser Film die zum großen Teil doch recht guten Kritiken nimmt ist mir schlichweg ein Rätsel.
Der Plot passt hier mal wirklich ohne jede Verrenkung in einen Satz: Das Paar James (Scott Speedman) und Kristen (Liv Tyler) werden in ihrem Sommerhaus von einem Trio maskierter Sadisten zu Tode gequält.
Der Zuschauer auch fast, denn der Streifen bietet nicht viel mehr als die Folge kaskadierender Gewaltakte ohne Wendungen, Hintergründe und Spannungsbögen. Es gibt keinerlei Infos zu den Motiven der komplett anonym bleibenden Angreifer, was definitiv zu wenig für einen Film ist, der auch sonst kein Logikloch ausläßt und ohne jede Ironie das typisch dämliche Verhalten von Opfern in Horrorfilmen zelebriert. Das Cover verspricht eine vermeintliche Geschichte, die schlichtweg nicht erzählt wird. So bleibt ein Streifen, dessen einziger Gewinn ein recht ansprechendes Setting und die Ausstattung ist, der aber vom Gehalt her nicht über den eines beliebigen Tortureporn-Machwerks herauskommt.

The eye

The eyeDie Konzert-Violinistin Sydney Wells (Jessica Alba) ist seit ihrem 5 Lebensjahr blind und hat sich nicht gänzlich überzeugt zu einer Netzhaut-Transplantation durchgerungen. Nach erfolgter Operation stellen sich jedoch schnell verstörende Visionen ein, die Sydney letztlich dazu treiben, zusammen mit ihrem Reha-Therapeuten Dr. Faulkner (Alessandro Nivola) nach der tragisch verstorbenen jungen Frau zu forschen, von der die implantierte Netzhaut stammt.
»The eye« ist in der Tradition von »The ring«, »The grudge« und unzähliger weiterer das Hollywood-Remake einer asiatischen Horror-Produktion. Das Original kenne ich nicht, weshalb dieser Streifen für mich als eigenständige Story steht, die zu unterhalten weiß. Ein nicht zu unterschätzendes Plus liegt allein darin begründet, das der Trailer den Zuschauer erst einmal in die falsche Richtung schickt und den Großteil der zweiten Filmhälfte ausspart. Da ist dann zwar vieles arg an den Haaren herbeigezogen, was einem dafür auch all zu große Längen erspart und – hey, wir gucken einen Fantasy-Horrorstreifen. Zum Ende hin gibt es noch einmal richtig Tempo und eine Schluß, über den man ein klein wenig nachdenkt. Bonuspunkt für Rade Serbedzija in einer für ihn recht untypischen Rolle.

… and isn’t it ironic …

Ich fuhr gestern abend spät ums Eck Bahnhofstraße/Grunigerstraße, als da im halbdunkel ein Mann an die Hauswand pinkelte …
… er trug einen Arbeitsoverall, auf dem Rücken groß das Logo einer Paderborner Gebäudereinigungsfirma.

Oder der Kollege, der im Fliederfarbenen Hemd auflief. Flieder!
Meine durchaus mitfühlende Frage, ob er denn etwa noch mit seiner Mutter einkaufen gehen müsse beantwortete er so:
»Nee, das hat meine Freundin ausgesucht

Ein Sessel aus Plüsch und nicht ganz sechs Herrengedecke …

Gestern abend also Bloggerlesung in Paderborn. Das die Schnittmenge zwischen Web Zwo.dingens und Ostwestfalen die größte noch nicht ist zeigte sich direkt beim eintreffen – ich kam zwar auf die Minute pünktlich, es fühlte sich trotzdem an wie zwei Stunden zu früh. Schade, der Abend hätte mehr Publikum verdient, um so viel vorweg zu nehmen.

Durchs Programm führte ein gut gelaunter Herr Erdge Schoss, dem lang verschollenen Zwilling von Fabien Barthez. Dieser übergab das etwas schwach ausgeleuchte Pult sogleich an Frau von Welt, die den schwierigen Part des Openers und Anwärmers meisterhaft schulterte und von nackten Männern auf dem Flur und der im Friseursalon kennengelernten besten Freundin berichtete, die einem dann doch nur die Kerle wegnimmt. In der Folge enterte der.grob im Foo Fighters Shirt die Bühne und hatte mit Geschichten über Jungen ohne Arme, die keine Jonglierbälle wollen, Hodenohren und Weltraumschweine, die Kampfkunst des Kamasutra sowie den Fön von James Last leichtes Spiel mit dem Publikum.

Als Dritter an der Reihe dann der Taubenvergrämer, der uns eindringlich vermittelte, wie beschissen es doch ist, unverschuldet im Zeugenersatz-Austauschprogamm des BKA zu landen, was nicht weniger bedeutet als das man dem organisierten Verbrechen zum Abschuss freigegeben wird. Und wenn man dann schon einmal Pech hat, dann geht auch ein geplanter Amoklauf nicht mehr ganz so locker von der Hand, nun ja, das amüsierte Publikum weiß nun immerhin, welche Klippen es bei derartigen Unternehmungen zu umschiffen gilt. Letzter Protagonist der lesenden Zunft dann MC Winkel aus Kiel, der neben Geschichten über das Mütze/Glatze Spiel mit Yul Brunner noch einen erstklassigen Moonwalk aufs Parkett legte, fernab der Heimat seine ehemaligen Klassenkameraden outete und THC-Haltige Urlaubsgeschichten aus Südfrankreich zum besten gab.

500 Beine war leider nicht dabei, so das der folgende Beitrag dann auch schon der letzte war. Erge Schoss las hingegen nicht, er sang dafür, und zwar mit seinem Alter Ego Victor Vaudeville. Zwei Drittel seiner Band Les 3roberts waren aus disziplinarischen Gründen suspendiert, so kam die musikalische Unterstützung aus dem Rechner sowie vom verbliebenen Robert, seines Zeichens ein Meister der Stoik sowie am Bass. Geboten wurde eine schmissige Lounge-Jazz Session u.a. über Lothars Tour nach Lloret de Mar , zu deren krönendem Abschluß alle Vorführenden noch einmal die knapp bemessene Bühne enterten.

Insgesamt ein sehr gelungener Abend vor leider sehr wenig Publikum. Ich habe zwischendurch mal durchgezählt und kam auf 37 Anwesende, was jedoch das Thekenpersonal, die Vortragenden sowie die beiden Gäste am Tisch vor der Tür schon einschloß. Aus der leider zunehmend inaktiver werdenden PB-Bloggerszene waren mir nur Carola und equinox bekannt. Fremdschämen war dann angesagt, als einem zwischendurch bewußt wurde, wie viele dämlich guckende Leute durch Paderborns City laufen und scheel von der Seite in den Laden schielten (Karma-Punkte für das ältere Paar, das vom MC charmant zum Eintreten aufgefordert wurde und dann auch tapfer bis zum Schluss durchhielt). War toll, der Chef vom Cafe Central hat auch angedeutet, das so etwas in einigen Monaten noch einmal stattfinden könnte. Dann hoffentlich vor größerem Publikum.

Mehr Reviews auch aus Köln (und mit Fotos) z.B. hier.

6 Herrengedecke und ein Sessel aus Plüsch

Es dürfte schon rund sein, ich frische aber gern noch mal auf: Am kommenden Sonntag (das ist der 17.,  sozusagen übermorgen), kann man das hoffentlich sonnige Wochenende mit einer gediegenenen Lesung im Paderborner Cafe Central ausklingen lassen.
FrauvonWelt, Erdge Schoss, der.grob, Taubenvergrämer und MC Winkel geben sich die Ehre und ihre größten Erfolge zum Besten.
Um 19:00 Uhr geht es los, der Eintritt ist frei. See you there.

Qualitätsjournalismus, again.

Man kann sich denken, welche Meinung sich der mäßig informierte Normalbürger gebildet hat, wenn er am vergangenen Samstag zum Lokalblatt gegriffen hat:

(…) Eine Online-Petition gegen das Gesetz zur Eindämmung von Kinderpornografie im Internet hatte am Freitag nach nur vier Tagen 50 000 Unterstützer gefunden. (…)


(Westfälisches Volksblatt vom 09.05.2009)

Ich weiß nicht, ob die offensichtlich zu Grunde liegende DPA-Meldung genauso falsch wie spärlich ist, oder ob hier nur lückenhaft abgeschrieben wurde. Die Regeln journalistischer Gründlichkeit wurden aber in jedem Fall mit Füßen getreten.

Man kann sich über die teils reißerische Berichterstattung zum Thema Gedanken machen (siehe die »Krimineller im dunklen vor dem Computer«-Aufmachung in dem Tagesschau-Ausschnitt einen Eintrag weiter unten), aber zumindest schaffen es andere Medien, klar zu stellen, das sich die Unterstützer der Online-Petition nicht gegen die Bekämpfung von Kinderpornografie stellen.

Das WV suggeriert, das zigtausende im Lande sich gegen die Bekämpfung von KiPo wenden. Und liegt damit voll auf Linie der Aussagen gewisser Bundesminister/innen. Bleibt die Frage, ob Absicht oder Methode …

Don Dahlmann erklärt noch einmal ganz in Ruhe, worum es wirklich geht.

Lieber Karl-Theodor zu Guttenberg, …

… Sie sind mit Ihren 37 Jahren sicherlich noch als »jung« zu bezeichnen und dürften an der Entwicklung des Internets z.B. während Ihres Studiums aktiv teilgenommen haben. Angesichts Ihrer schulischen und akademischen Ausbildung kann man – auch ohne persönlich mit Ihnen bekannt zu sein – davon ausgehen, das Sie über einige Intelligenz verfügen und darf unterstellen, das Sie in der Lage sind, auch komplexe Vorgänge geistig erfassen, verstehen und bewerten zu können. Das ist von einem Minister auch zu erwarten.

Ihre Aussage

Es macht mich schon sehr betroffen, wenn ähm, pauschal der Eindruck entstehen sollte, das es äh menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich einer der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.

(O-Ton aus der Interview in der Tagesschau vom 08.05.2009, 14:00 Uhr – ab Min. 6:36
Berichtet wird über den Erfolg der Online-Petition gegen das geplante Gesetz zur Sperrung von Internet-Seiten)

kann ich mir daher nur wie folgt erklären:

Entweder haben Sie sich mit dem Thema selber überhaupt noch nicht auseinandergesetzt sondern es nur abgenickt und wurden lediglich von bestenfalls dummen (aber vermutlich eher tendenziös manipulativen) Beratern schlecht gebrieft. Dann haben Sie einfach Ihren Job hundsmiserabel erledigt …

… oder – und ich halte das für die deutlich realistischere Variante -, oder Sie stellen die Zusammenhänge bewusst völlig falsch dar.

Ohne Zweifel muß Ihnen klar sein, das die Unterzeichner der Petition sich mitnichten gegen die Bekämpfung von Kinderpornographie stellen.

Viel mehr kritisieren die Teilnehmer der Aktion (die hier nicht weniger tun, als ihre demokratischen Grundrechte auszuüben!), das das geplante Gesetz:

  • wirkungslos ist, weil die Sperrung einfach zu umgehen ist,
  • falsch angesetzt ist, weil Kinderpornographie auf ganz anderen Kanälen verbreitet wird, als über frei erreichbare (und mit Suchmaschinen zu findende) Internetseiten,
  • statt dessen einen Versuch zur Einführung von Zensur darstellt, welcher laut Grundgesetz ausgeschlossen ist,
  • darüber hinaus ein latenter Versuch ist, in den Köpfen der Internetnutzer und letztlich aller Bürgerinnen und Bürger eine Art Selbstzensur zu installieren,
  • keine Prüf- und Kontrollmechanismen vorsieht, was warum gesperrt wird – und daher der Willkür Tür und Tor öffnet,
  • weitere Begehrlichkeiten seitens der Industrie und anderer weckt, was noch alles zu sperren ist,
  • eine freie Informationsgesellschaft verhindert,
  • ein weiterer Schritt auf dem Weg in einen totalitären Überwachungsstaat darstellt.

All das müssen Sie verstanden haben, auch wenn es sich ohne Zweifel nicht mit Ihren Ansichten deckt. Das Sie aber mit Ihrer Aussage die Unterzeichner der Petition als Gegner der Verfolgung von Kinderpornographie darstellen und diese so unverholen als Unterstützer von Verbrechen an Kindern brandmarken, das ist an Perfidität wohl nur noch schwerlich zu überbieten.
Bewußtes falschverstehen, mißinterpretieren und diskreditieren von anders denkenden, sowie jene zeitgleich in die Ecke von Sympathisanten eines der denkbar schlimmsten Verbrechen zu stellen, diese Ihre Haltung ist – mit Verlaub – abgründig und ekelerregend.

Schämen Sie sich.

Schnöselig

Gestern morgen kam ich spät zur Arbeit. Der große öffentliche Parkplatz war fast vollständig belegt. Nur in der letzten Doppelreihe hinten an der Ringstraße, am weitesten von der City-Richtung entfernt, fanden sich noch ein paar Lücken. Ich schloss gerade ab, als direkt gegenüber ein großer SUV auf die einzig verbliebenen nebeneinander liegenden Parkbuchten stieß und beinahe mittig auf der Trennmarkierung zum stehen kam. Der Fahrer stieg aus, ein Profikicker des SC Paderborn. Ich nickte in Richtung seines Wagens:
»Moin. Ein wenig unglücklich beide Plätze belegt, oder?«
Der Mann guckte mich stumpf an, stockte eine Sekunde und stapfte dann wortlos in Richtung Ringstraße und Sportzentrum.

Hat mich ein wenig an die Anmerkungen von Hans Meyer (Trainer von Borussia Mönchengladbach) im Interview in der Süddeutschen Zeitung erinnert, in denen er den Horizont vieler Profis einordnet. (via)

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