Es gibt da so Welten, die wollen rein gar nicht zusammen passen. Mütter und Technik zum Beispiel. Über x-Jahre hast du Videorecorder programmiert, Handys erklärt, die Sender ins Fernsehen eingespeichert, die Heizung eingestellt, zwanzig mal das Windows 98 auf deinen ausgemusterten alten Rechnern neu installiert und dich um tausend andere technische Dinge gekümmert. Du hast das gerne getan, weil es eine Möglichkeit war, auch mal etwas zurück zu geben. Trotzdem merkst du bei jedem Besuch, das beim Videorecorder die Zeiteinstellung längst wieder durcheinander ist, beim Handy eine Pinsperre oder ein totalentlehrter Akku den Nutzwert dämpft und die Fernsehsendertabelle wieder bei NDR3 beginnt, weil der als erster Sender im Kabel anliegt (… macht deswegen auch nichts, die Tagesschau kommt da ebenfalls, Mütter sind genügsam). Dein alter Rechner, den du ihr mal hingestellt hast, braucht eine halbe Stunde zum booten, Briefe schreibt sie lieber weiter mit der Hand, aber Hauptsache »Hearts« läuft noch. Und so hast du beim »kurzen reinschauen am Wochenende« gleich ein wenig zu tun,kannst dich nützlich machen und all die kleinen Baustellen abarbeiten.
Es gibt allerdings zwei Bereiche, für die du immer unterqualifiziert bleiben wirst, egal ob du E-Technik mit Einser-Diplom studiert hast oder der legitime Nachfolger von MacGyver im wirklichen Leben bist: Ihre Waschmaschine und ihr Ceranfeld.
Du hast vielleicht in deinen Interrail-Jahren Waschsalons von Istanbul bis Lissabon besucht, dich mit gußeisernen mechanischen Monstern herumgequält und High-tech Waschautomaten programmiert, du hast in zig WG’s hunderte billig-Waschmaschinen bedient, auseinandergenommen, repariert und irgendwie wieder ans laufen bekommen – wenn du am Wochenende mal kurz ein paar verschwitzte T-Shirts in Mutters Waschkeller duchspülen willst, dann sind diese Erfahrungen ungefähr so viel wert wie dein altes Seepferdchen-Abzeichen bei der Aufnahmeprüfung für die Navy-Seals.
»Mit meiner alter Miele muß man vorsichtig sein, die läßt sich nicht von jedem bedienen!« hörst du von irgendwo hinter dem fuchtelnden Zeigefinger und du kannst jetzt Softwareentwickler oder Hochschuldozent sein, die Auswahl des richtigen Kurzwaschprogramms inklusiver richtiger Dosierung des Waschpulvers wird sie dir niemals zutrauen.
In etwa so ähnlich ergeht es dir in ihrer Küche. Das du ein paar Würstchen heiß bekommst oder Spaghetti kochst, das traut sie dir noch zu, schließlich hast du dich bis heute bei Kräften halten können (… auch wenn du immer vieeel zu blaß um die Nase bist). Aber schon das Abstellen des Topfes auf dem Ceranfeld wird sie zusammenzucken lassen und du kannst sicher sein, das sie mit Argusaugen wacht, das dir nichts überbrutzelt und auf dem Kochfeld festbrennt. Und laß dir um Himmels Willen nicht einfallen, nach dem Essen das Ceranfeld reinigen zu wollen – alleine deine bloße Anwesenheit wird im Stande sein, unauslöschliche Kratzer in ihre gehegte und gepflegte Koch-Keramik zu schlagen. Du wirst, egal wie du es anstellst, immer den falschen Reiniger, das falsche Tuch und die grundfalschesten Handbewegungen machen, wenn es um das Schrubben des Ceranfeldes geht. Bring lieber den Müll runter oder spül das Geschirr, für das Ceranfeld bist du nicht qualifiziert!
Es hat auch keinen Zweck, über diese Umstände zu diskutieren. Akzeptiere einfach wie es ist. Und sei getröstet, du bist nicht der einzige, dem es so ergeht. Ich bin sicher, am vergangenen Wochenende hat Thomas Reiter nach der Rückkehr aus dem All am Esszimmertisch bei Rindsrouladen und Klößen seiner Mutter erzählt, wie die Erde von der internationalen Raumstation aus aussieht. Der Mann ist Testpilot, Astronaut, Diplomingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik. Aber als er nach dem Nachtisch in den Keller gehen wollte, um diesen versifften Raumanzug mal durchzuwaschen, in den er in der Schwerelosigkeit ne knappe Woche lang reingepupst hat, da wird ihn seine Mum ordenlich strammstehen lassen haben. Er hätte sicher das falsche Waschprogramm gewählt. Und nicht die »Wasser plus« Taste gedrückt.
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