Brasilien Tag 3: Sao Paulo
Viel Stadt, etwas Japan und ein bisschen Enttäuschung.
In der Nacht zum Sonntag wundern wir uns , das in der Ave. Sao Joao auf dem Weg zu unserem Hotel hunderte von Punks, Metalfans und Grableuchten Goths die Strasse säumen. Ob in der Nähe ein Konzert statt findet? Im knarzenden Fahrstuhl im Hotel begegnet uns der Argentinier aus dem dritten Stock, der sich anständig einen genehmigt hat. Schuld an seinem etwas derangierten Zustand ist aber natürlich nicht der Alkohol. »Can you belive it? I came from Argentina to Sao Paulo and now i’ve got the fuckin`flu from the air-condition! Man, can you believe it?«
Am Sonntag morgen zieht es uns zunächst zur Praca Republica, an der um diese Zeit ein Kunsthandwerksmarkt statt findet. Man bekommt allerlei einheimisches Zeuges, von denen mich besonders einige Malereien interessieren, weil diese am wenigsten nach industrieller Massenproduktion ausschauen. Wirklich brauchen tue ich aber nur eine Kopfbedeckung, die meinen arg strapazierten Nacken schützt. 10 Uhr morgens und 30 °C im Schatten. Ich wollte ja nach Norwegen …
Junge Hunde stehen übrigens auch zum Verkauf.
In der U-Bahn geht es dann von Republica zur südlichsten aller Haltestellen, der Station Jabaquara. Es folgt – zu meiner persönlichen Schande vorweg – der programmatisch grösste Schlag ins Wasser der gesamten Tour. Ich hatte gelesen, das der Zoo von Sao Paulo einen Besuch wert sei. Als grösster Zoo Brasiliens und viert- oder fünftgrößter der Welt seien hier über 3000 Arten zu sehen, eingebettet in ein eindrucksvolles Überbleibsel des atlantischen Regenwaldes.
Zunächst muß man aber erst mal hin kommen. Eigentlich fahren von Jabaquara spezielle Shuttlebusse zum Zoo, dafür muß man sich jedoch in ellenlange Schlangen einreihen (was Brasilianer quer durch alle Gesellschaftsschichten sehr diszipliniert erledigen). Wir beschließen, lieber auf eigene Faust dort hin zu gelangen, werden vom Sicherheitspersonal jedoch am Verlassen des Bus-Terminals gehindert. Zwar braucht man nur zehn Meter um eine Zaunecke zu gehen, um auf der Straße zu stehen, jedoch verbietet an dieser Stelle ein Schild das betreten der Bus-Spur, auch wenn der nächste noch gar nicht in Sicht ist. So egal ihnen rote Ampeln sind, hier verstehen sie keinen Spaß, wir müssen zurück durchs ganze Terminal, um dort durch den Ausgang raus zu gelangen.
Auf der Straße schnappen wir uns dann ein Taxi, erfragen den ungefähren Preis zum Zoo und kommen für etwa das doppelte hin, Stadtrundfahrt durch einige eher zwielichtige Viertel inklusive. Der Fahrer spricht – wie 99 % seiner Kollegen – ausschließlich das sehr breite brasilianische portugiesisch und betreibt in einer Tour Werbung für diverse Samba-Schuppen, deren Flyer er uns zum Abschluß noch in die Hand drückt.
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