Frau Lunally hat mit einem Stöckchen nach mir geworfen, und weil ich weiß was sich gehört will ich nicht lange zögern, sondern hier 10 kuriose CD-Titel aus dem Regal fischen. Ein Glück für mich, das ich die allergrößten Printen von Zeit zu Zeit entsorgt habe, ganz schlimme Jugendsünden finden sich hier also nicht mehr (die hat meine Schwester nämlich alle schon vor Jahrzehnten gemopst!). Vielmehr lohnen würde sich die Übung eh am verstaubten Plattenschrank meiner Eltern, der enthält noch wirkliche Glanzleistungen akustischer Umweltverschmutzung, ich denke da nur an den Orgelvirtuosen Adi Zehnpfennig, Klavier-Beckham Richard Clayderman oder das ganze James Last gedröhns aus den frühen siebzigern. Das Panflötengebläse George Zampfir steht da auch, aber der ist ja seit »Kill Bill« schon wieder en vogue.
Für meinen Teil konzentriere ich mich deshalb hier mal auf (halbwegs) originelle Titelgebung. Und weil wir Jungens mit unseren CDs eigen sind gibt es das ganze in streng alphabetischer Reihenfolge:
Ackerbau und Viehzucht – Neue Ernte
»Bauer sucht Frau …« … und wenn er keine findet, dann macht er, ähem, Gesamtschulpunk. Oder so etwas in der Art. Songtitel wie »Vatis Liebling« oder »Ein Schüleraufsatz« stehen für sich selbst. Gekauft irgendwann zu Beginn der 90er, als die 5 Steinheimer auf einem Konzert hier in der Gegend spielten.
Cliff Barnes and the fear of winning – Gods at work
Scheiße, und schon versaut mir das Alphabet den Höhepunkt. Der Titel ist egal, aber »Cliff Barnes and the fear of winning« ist ohne Zweifel der weltbeste Bandname (kennt überhaupt noch jemand »Dallas«?) Und dazu die Tourshirts mit dem bescheuerten Grinsen von Ken Kercheval, eben: Cliff Barnes.
D.A.D. – No fuel left for the pilgrims
D.A.D. hießen eigentlich »Disneyland after dark«, aber das hat den Anzugtypen von Disney nicht in den Kram gepasst. Cowpunk haben die Dänen ihre Mucke genannt, stimmt aber nicht, ist höchst gefälliger Rock. Was das mit Wallfahrern ohne Sprit zu tun hat? Don’t ask me!
Death Angel – Frolic through the park
Doppelt schöner Titel. Der Bandname erstaunt, weil er zeigt, wie viele strunzdämliche Kombinationen sich doch aus ein paar dummen Vokabeln bilden lassen. Der Albumtitel ist dann etwas tricky. »frolic« bedeutet wohl soviel wie »scherzen«, aber man hat trotzdem nur Hundefutter vor Augen (gibt’s Frolic eigentlich noch?). Ansonsten okayer Bay-Area Thrash, als »The Organization« haben Death Angel später zwei echte Groovemonster aufgenommen.
Kinderzimmer productions – Die hohe Kunst der tiefen Schläge
… und die ganz hohe Kunst der geflügelten Worte. Auf dem Cover Ali über dem im Ringstaub liegenden George Foreman, Kinshasa 1974. Gesamtkunstwerk.
Kings X – Gretchen goes to Nebraska
Jo. Und wahrscheinlich ist Gretchen allein gegangen, denn nur so erklärt sich, das Kings X trotz genialer Alben am Stück fast nie was verkaufen konnten.
Moloko – Do you like my tight sweater?
Klasse Debüt von Moloko, den Opener kennt vermutlich jeder, nur weiß kaum einer von wem der Track stammt. Ein mit genügend offensivem Charme vorgebrachtes »Do you like my tight sweater?« hat sicher dicke Chancen als Anmachspruch.
Mucky pup – Five guys in a really hot garage
Und was machen fünf Schmutzfinken in einer heißen Garage? Schwitzen, und zwar wie Sau. Habe ich einige Male live gesehen und der 92′er Gig im Dortmunder Freizeitheim West (kein Ort, den man kennen muß) wird mir ewig in bleibender Erinnerung bleiben, weil plötzlich vier Mädels in weißen BHs vor der Bühne herumsprangen und ums heftigste die Band bejubelten. Und das bei einer Kapelle mit so kuscheligen Songtiteln wie »You stink (but i love you)«, »Hippies hate water« oder »I’ve got a friend (Mr. Right Hand)«. Ab diesem Tag wollte ich Rockstar werden. Spätestens.
Nightmares on wax – Carboot soul
Auch so ein Titel den man besser nicht wörtlich übersetzt. Aber smoothester Earcandy, mit dem Weltmeister aller Chillout-Tracks »Les nuits«.
Starz – P*ss Party
Oh ja. Die einzige LP hier in der Reihe. Eine echte Perle. Belanglosester Metal, aber dafür pissgelbes Vinyl. Bestimmt wertvoll!
Vulture culture – [hau 'dju-du:]?
Paderborns vermutlich dienstälteste Punk Band. Das Cover ist auch nett, eine Schale Pommes mit grüner Majo.
White zombie – Astro creep 2000
»Det groovt« tät Herr Lempinsky sagen. Nämlich knochentrocken und gewaltig, wie ein 48tönniger Knäckebrottruck. Die Band um Rob Zombie (dreht mittlerweile hauptberuflich Splatterfilme) war auch ein Großmeister der Titelgebungskunst, siehe »Super charger heaven« oder »El Phantasmo and the chicken-run Blast-o-rama«. Hell yeah.
Scheisse, verzählt! Jetzt sinds zwölf geworden. Egal, Streichresultate. Das Stöcken schmeiß ich mal locker flockig in die Richtung vom Herrn Problemlöser und dem Herrn Tobias, es darf aber auch sonst jeder.
[edit] Der Herr Problemlöser ist ein Frühaufsteher und hat schon reagiert. Und der Herr Tobias auch.[/edit]
Letzte Kommentare zu:
Adrian, Thomas, Budenzauberin, ker0zene [...]
Jannes, ker0zene, anonym
caro, ker0zene, M.One, ker0zene [...]
Comune, ker0zene, Budenzauberin
Marco
Flug Los Angeles, Christian, off topics, sallypoppins [...]
Letzte Trackbacks: