Achtelweltmeister

Fans: 3 – Polizei: 0
Zum dritten Mal in Folge ging nach dem Deutschland-Spiel auf Paderborns Verkehrshauptschlagader gar nichts mehr. Ok, Team Grün hat es auch nicht wirklich ernsthaft versucht.
Hier ein paar Fotos, 18 Bilder (876 KB) in einer Lightbox-Slideshow.
(Wenn es nicht im ersten Versuch klappt einfach einen Reload der Seite durchführen.)

Weitere Impressionen in einigen Einträgen beim yamb.

Hab ihn!

Frau Lunally hat mit einem Stöckchen nach mir geworfen, und weil ich weiß was sich gehört will ich nicht lange zögern, sondern hier 10 kuriose CD-Titel aus dem Regal fischen. Ein Glück für mich, das ich die allergrößten Printen von Zeit zu Zeit entsorgt habe, ganz schlimme Jugendsünden finden sich hier also nicht mehr (die hat meine Schwester nämlich alle schon vor Jahrzehnten gemopst!). Vielmehr lohnen würde sich die Übung eh am verstaubten Plattenschrank meiner Eltern, der enthält noch wirkliche Glanzleistungen akustischer Umweltverschmutzung, ich denke da nur an den Orgelvirtuosen Adi Zehnpfennig, Klavier-Beckham Richard Clayderman oder das ganze James Last gedröhns aus den frühen siebzigern. Das Panflötengebläse George Zampfir steht da auch, aber der ist ja seit »Kill Bill« schon wieder en vogue.

Für meinen Teil konzentriere ich mich deshalb hier mal auf (halbwegs) originelle Titelgebung. Und weil wir Jungens mit unseren CDs eigen sind gibt es das ganze in streng alphabetischer Reihenfolge:

Ackerbau und Viehzucht – Neue Ernte
»Bauer sucht Frau …« … und wenn er keine findet, dann macht er, ähem, Gesamtschulpunk. Oder so etwas in der Art. Songtitel wie »Vatis Liebling« oder »Ein Schüleraufsatz« stehen für sich selbst. Gekauft irgendwann zu Beginn der 90er, als die 5 Steinheimer auf einem Konzert hier in der Gegend spielten.

Cliff Barnes and the fear of winning – Gods at work
Scheiße, und schon versaut mir das Alphabet den Höhepunkt. Der Titel ist egal, aber »Cliff Barnes and the fear of winning« ist ohne Zweifel der weltbeste Bandname (kennt überhaupt noch jemand »Dallas«?) Und dazu die Tourshirts mit dem bescheuerten Grinsen von Ken Kercheval, eben: Cliff Barnes.

D.A.D. – No fuel left for the pilgrims
D.A.D. hießen eigentlich »Disneyland after dark«, aber das hat den Anzugtypen von Disney nicht in den Kram gepasst. Cowpunk haben die Dänen ihre Mucke genannt, stimmt aber nicht, ist höchst gefälliger Rock. Was das mit Wallfahrern ohne Sprit zu tun hat? Don’t ask me!

Death Angel – Frolic through the park
Doppelt schöner Titel. Der Bandname erstaunt, weil er zeigt, wie viele strunzdämliche Kombinationen sich doch aus ein paar dummen Vokabeln bilden lassen. Der Albumtitel ist dann etwas tricky. »frolic« bedeutet wohl soviel wie »scherzen«, aber man hat trotzdem nur Hundefutter vor Augen (gibt’s Frolic eigentlich noch?). Ansonsten okayer Bay-Area Thrash, als »The Organization« haben Death Angel später zwei echte Groovemonster aufgenommen.

Kinderzimmer productions – Die hohe Kunst der tiefen Schläge
… und die ganz hohe Kunst der geflügelten Worte. Auf dem Cover Ali über dem im Ringstaub liegenden George Foreman, Kinshasa 1974. Gesamtkunstwerk.

Kings X – Gretchen goes to Nebraska
Jo. Und wahrscheinlich ist Gretchen allein gegangen, denn nur so erklärt sich, das Kings X trotz genialer Alben am Stück fast nie was verkaufen konnten.

Moloko – Do you like my tight sweater?
Klasse Debüt von Moloko, den Opener kennt vermutlich jeder, nur weiß kaum einer von wem der Track stammt. Ein mit genügend offensivem Charme vorgebrachtes »Do you like my tight sweater?« hat sicher dicke Chancen als Anmachspruch.

Mucky pup – Five guys in a really hot garage
Und was machen fünf Schmutzfinken in einer heißen Garage? Schwitzen, und zwar wie Sau. Habe ich einige Male live gesehen und der 92′er Gig im Dortmunder Freizeitheim West (kein Ort, den man kennen muß) wird mir ewig in bleibender Erinnerung bleiben, weil plötzlich vier Mädels in weißen BHs vor der Bühne herumsprangen und ums heftigste die Band bejubelten. Und das bei einer Kapelle mit so kuscheligen Songtiteln wie »You stink (but i love you)«, »Hippies hate water« oder »I’ve got a friend (Mr. Right Hand)«. Ab diesem Tag wollte ich Rockstar werden. Spätestens.

Nightmares on wax – Carboot soul
Auch so ein Titel den man besser nicht wörtlich übersetzt. Aber smoothester Earcandy, mit dem Weltmeister aller Chillout-Tracks »Les nuits«.

Starz – P*ss Party
Oh ja. Die einzige LP hier in der Reihe. Eine echte Perle. Belanglosester Metal, aber dafür pissgelbes Vinyl. Bestimmt wertvoll!

Vulture culture – [hau 'dju-du:]?
Paderborns vermutlich dienstälteste Punk Band. Das Cover ist auch nett, eine Schale Pommes mit grüner Majo.

White zombie – Astro creep 2000
»Det groovt« tät Herr Lempinsky sagen. Nämlich knochentrocken und gewaltig, wie ein 48tönniger Knäckebrottruck. Die Band um Rob Zombie (dreht mittlerweile hauptberuflich Splatterfilme) war auch ein Großmeister der Titelgebungskunst, siehe »Super charger heaven« oder »El Phantasmo and the chicken-run Blast-o-rama«. Hell yeah.

Scheisse, verzählt! Jetzt sinds zwölf geworden. Egal, Streichresultate. Das Stöcken schmeiß ich mal locker flockig in die Richtung vom Herrn Problemlöser und dem Herrn Tobias, es darf aber auch sonst jeder.

[edit] Der Herr Problemlöser ist ein Frühaufsteher und hat schon reagiert. Und der Herr Tobias auch.[/edit]

Wenn der Drops gelutscht ist

»Ich war jung und brauchte das Geld hatte Hunger.«

Dieser Eintrag bei der Frau Budenzauberin bringt mir schamhaft in Erinnerung, das man mich Anno ‘77 auf dem Weg in den Nordseeurlaub auf irgendeiner Raststätte an der A7 erst in letzter Sekunde hindern konnte, eine Handvoll »Schokobonbons« genußvoll zu verschlingen.
Für den geneigten Leser bleibt es an dieser Stelle müßig zu erwähnen, das es sich selbstverständlich mitnichten um Schokobonbons handelte, sondern um ausgewachsene mitteleuropäische Feldhasenköttel bissfester Konsistenz. Und ebenfalls selbstverständlich war ich auch als Dreikäsehoch schon fix genug, um zu diesem Zeitpunkt längst einen verspeist und für lecker befunden zu haben.

Um den Tag so richtig rund zu machen hab ich mir anschließend, auf dem Weg zum Mundausspülen, dann noch meinen zarten, nicht einmal vierjährigen Arm, in der Drehtür der Autobahnraststätte eingeklemmt. A completely shitty day.

Sechzehntelweltmeister

»Ein nervenzerfetzendes Spiel, von dem das Schicksal der Nation abhing. Dramatisch bis in die 12. Minute der Nachspielzeit, bis zu dem Moment als das erlösende 6 zu 5 die übermächtig erscheinenden Ecuadorianer in die Knie zwang und das Land mit einem Jubelschrei aus 80 Millionen Kehlen überzog. Alles was sich während des dramatischen Matches nicht vor Spannung die Fingernägel bis zum Ellenbogen abgeknabbert hatte strömte auf die Straßen und Plätze und zelebrierte eine ekstatische Jubelorgie!«

Ober so ähnlich … ach egal, zum feiern reichts!
(… und zum Autokorso geht es hier lang)

(für Slideshow auf das Bild klicken)

Vor dem Spiel

Während mir gerade auffällt, das im Büro allein der türkischstämmige Kollege heute »Fußballurlaub« genießt, wachsen vor dem Fenster die Ströme der zum Public-viewing strebenden Fans. Fahnen, Trikots, Mützen, Hüte und viele angerissene Sixpacks. Den besten Auftritt liefert gerade ein Rentner mit Schiebermütze und Sandalen (inkl. weißer Socken), der das deutsche Trikot der WM ‘86 korrekt in die Kniebundhose gesteckt hat. Damn, das die Kamera in meinem Handy nichts taugt.
Wenigstens wird das Telefonaufkommen geringer, so das der Kollege am Schreibtisch gegenüber sich voll und ganz auf die Installation des in der Mittagspause erworbenen DVB-T Sticks konzentrieren kann.

Eierköppe

Flachbildschirme haben sie überall. Die Geräte sind eigentlich schon jetzt der inoffizielle Sieger der WM 2006â„¢, neben diesen Heckscheibenfähnchen Deppenwimpeln. Gestern nachmittag in der Stadt, du kannst keine 20 Meter gehen, ohne die dehydrierte Nullnummer japanisch-kroatischer Machart aus einer anderen Perspektive geboten zu bekommen.

Ob an der Rückwand der Eisdiele, auf der Terrasse beim Griechen oder einem wackeligem Tisch beim Italiener an der Ecke zum Paderquellgebiet, sogar in der Baguetterie und überhaupt eigentlich in jeder Kneipe im Hafenviertel: Plasma und LCD so weit das Auge reicht. Sogar im C&A (›WM Sonderöffnungszeiten: So. 14 – 20 Uhr‹ …) schwebt über den Kleiderständern ein Gerät und stellt sicher, das man beim Griff zum Doppelripp-Dreierpack auch ja nichts verpasst. Freilich nur auf der Herrenetage, dabei endecken doch gerade die Frauen dieses Jahr den Spaß am »Rundledersport« (© yamb). Da hat die/der Gleichstellungsbeauftragte wohl geschlampt.

Aber, und da liegt die Tücke, es ist Sonntag, und sonntags sendet RTL. Das bedeutet zum einen Pierre Littbarski, der noch nicht so routiniert wie manch anderer »Experte« Plattitüden verbreitet, sondern sich auch gerne mal in den dornigen Ranken der eigenen Rhetorik verheddert. Was mitunter ganz drollig ist, hier aber keine Rolle spielt, weil der Ton meist abgedreht ist.
RTL bedeutet jedoch auch, das im Letterbox-Verfahren gesendet wird und nicht in PALPlus, wie bei der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz. Letterboxed aber ist tricky, denn natürlich wollen alle stolzen Breitwandgerät-Besitzer auch das volle Leistungsspektrum ihres Boliden präsentieren. Und so mutiert der Sommerkick auf jedem zweiten Gerät zu einer Auseinandersetzung von Eierköpfen, weil statt der Wahl der richtigen Zoomfunktion einfach das vorhandene 4:3 Signal auf 16:9 aufgezogen wird. Mit entsprechend unvorteilhaften Auswirkungen für die Anatomie der dargestellten Protagonisten.
Scheint aber niemanden zu stören.
eierk.jpg

Gelesen II

›Ich schätze, die meiste Leute warten immer noch auf einen Mann, der auf dem Wasser gehen kann. Ich wünsche Ihnen Glück – ich gehe auf Treibsand.‹

Andrew Vachss – Kata

Auch wenn ich sonst selten mit
der CINEMA einer Meinung bin, in einem hat die
aktuelle Ausgabe recht: Die Verfilmung von einem
von Vachss ›Burke‹-Romanen ist längst fällig.

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